Mit dem Canga richtig ausgestatten am Strand von Copacabana und Ipanema

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Kinderarbeit zu Demonstrationszwecken.

Bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht, was ein Canga ist. Kleiner Tipp: Hat etwas mit Strand zu tun. Nein, es ist nicht die Abkürzung für die ultraknappen „Copacabana-Tangas“, für die gibt es keinen speziellen Namen. Tangas bzw. Bikinis werden im Portugiesischen „fio dental“ genannt, übersetzt heißt das soviel wie „Zahnseide“.

Nichtsdestotrotz ist ein canga für einen Strandbesuch unerlässlich und sehr cariocastyle. Es handelt sich dabei um die dünnen bunten Strandtücher. Man kauft die ca.1,50 x 1,20 m großen Tücher bei fliegenden Händlern gleich vor Ort. Entweder entlang der Promenade oder die Händler finden dich in deinem Klappstuhl. Je nach Größe zwischen 30 und 50 Reais kosten sie. In anderen Läden habe ich sie bisher noch nicht gesehen. Die Farb- und Motivauswahl ist riesig, 20-30 Cangas hat der Händler offen zu Ansicht parat. Zeigt man Interesse, zaubert er auf Wunsch nochmal so viele aus einer Tasche oder einem Rucksack.

Ich hatte mich gleich zu Beginn in ein Motiv verguckt – Ein Traum in Lila, orange, rosa und weiß. Das Grundornament erinnert an eine 70er-Jahre Tapete. Und davon hebt sich in weiß der Corcovado mit dem Cristo ab. Es sollte aber noch einige Strandbesuche dauern, bis wir tatsächlich eines kauften – erst einmalbeobachten, was die Einheimischen damit so treiben. Und da ein Canga für vier zu klein ist, kaufte Wiebke das bunte mit den Fischen.

Cangas sind universell einsetzbar. Der Carioca, genauer die Carioca, wickelt sie sich elegant um den bronzefarbenen Körper, wenn sie das Haus in Richtung Strand verlässt. Darunter nur die Badekleidung. Vielleicht noch ein paar Reais irgendwo einstecken, um sich zwischendurch eine Erfrischung zu gönnen, oder eine Flasche Wasser direkt aus dem Eisfach in der Hand, mehr nimmt man nicht mit an den Strand. Sollte man auch nicht.

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Wiebke mag Fische.

Ein Badetuch versandet eh und braucht zu lange zum Trocknen. Leiht man sich einen Sonnenschirm, was gerade am Anfang zu empfehlen ist, denn die Sonne ballert ganz ordentlich, hängt man die T-Shirts zum Schutz vor dem Sand unter den Schirm in die Speichen. Ansonsten bietet es sich an, nicht allzu stoffreiche Schwimmtextilien zu tragen, in meinem Fall: Schwimmshorts. Schließlich hat man ja kein Handtuch dabei und lässt die Sachen am Körper trocknen.

Die Cariocas haben raus, wie das geht. Zunächst aus dem Meer und zu einer derDuschen gehen, um das Salzwasser abzuspülen. Danach einen hübschen Platz in der Sonne suchen, wo man von möglichst vielen Menschen gesehen werden kann. Dort wird sich dann hingestellt. Kleinere Körperdrehungen und geschmeidige Verrenkungen sorgen dafür, dass alle Körperstellen gleichzeitig trocknen. Außerdem kann man checken, ob das Publikum noch bei einem ist – immer man ein bisschen an den Badesachen rumzuppeln. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde ist der Carioca trocken und kann mal wieder ins Wasser gehen. Das Spiel beginnt aufs Neue.

Will man nicht stehen, hat man sein Canga. Es ist nicht ganz leicht, das dünne Tuch faltenfrei im Sand auszubreiten. Hat man es aber geschafft, bleibt es erstaunlich sandfrei – das hatte ich von Badetüchern anders in Erinnerung. Ist man trocken und will heim – zupp, an einer Ecke angefasst und hochgezogen; kurz ausschütteln (deutlich weniger sandreich für die Nachbarn), lässig um die Hüfte knoten und ab dafür. Die leere Coladose oder Kokusnussschale bleibt aber dennoch liegen.