Was machst Du eigentlich da die ganze Zeit? Hier sind die Antworten!

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Ist jetzt eingerichtet, muss sauber gehalten werden.

Ein großer Pingel war ich nie, was die Hausarbeit betrifft. Als Student in der ersten eigenen Bude schon mal gar nicht – da wurde alle paar Wochen mal in einer Hauruck-Aktion grundgereinigt. Das Verständnis für die Notwendigkeit einer gewissen Grundsauberkeit im Haushalt – auch auf das persönliche Wohlbefinden (klingt, wie der Titel einer Diplomarbeit im Fach Oekotrophologie) –ist natürlich im Laufe der Zeit gewachsen und nicht erst, seit die Kinder da sind und alles anfangs in den Mund stecken.

Aber: Eine nicht glattgezogene Tagesdecke, ein Klamottenberg auf dem Stuhl im Schlafzimmer, eine leere Kaffeetasse auf dem Regal  im Wohnzimmer ließen mich bislang immer noch relativ kalt. Ergab es sich, wurde der Missstand behoben, wenn nicht, dann halt nicht. Lag vielleicht auch daran, dass es in Frankfurt immer noch Marta als Backup gab, die zwei Mal die Woche in unserem Haus für geordnete Verhältnisse sorgte. Und, dass ich ja einen Hauptberuf hatte als unangefochtene Rechtfertigung so mancher Chaostage. Doch manchmal überkam mich auch dann schon der Rappel und es musste ausgemistet werden.

Nun ist es anders: Sind die Kinder aus dem Haus am Morgen, beginnt mein Schaffen in der Wohnung: Abwasch, Wäsche starten und später aufhängen, saugen, aufwischen (Mo. Und Fr. weil es hier so viel feinen Staub gibt und die Fußsohlen stets schwarz; drei bis vier Mal am Tag Füße waschen ist Minimum), Betten machen bzw. beziehen, durch das Waschbecken im Bad wischen, alles arrangieren, Dreckwäsche einsammeln – irgendwas vergessen? Ja, das dann auch noch. Der Haushalt ist nicht mein einziger Tagesinhalt logischerweise, aber meist das, womit ich meinen Tag beginne.

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Fusion nennt man das: Spaghetti asiatisch mit Chuchu und Salami. Urteil: 4:0 – kann es nochmal geben.

Anfangs tat ich das, weil ich es als meine Pflicht ansehe. Es muss halt getan werden. Doch inzwischen stelle ich hier und da Veränderungen fest. Veränderungen in meiner Wahrnehmung, Unordnungstoleranz und meinem hausmännischen Ästhetikempfinden. Man könnte es auch so ausdrücken: Wenn ich es schon machen muss, dass eben auch richtig. Hausfrauenehre halt und vielleicht sogar ein Schuss Leidenschaft.

So lasse ich das Geschirr nicht mehr auf dem Gitter abtropfen. Ich trockne es ab, stelle es weg, wische über die Armaturen. Wäsche wird gleich zusammengelegt und verstaut. Bei den Betten achte ich darauf, dass die Laken und Decken schön glatt sind, beim Esstisch darauf, dass er gewischt wurde und die Stühle hübsch akkurat daran stehen. Im Bad richte ich Zahnpasta, Deos und andere Dosen, Töpfchen und Tiegel hübsch gleichmäßig aus. Ich rieche an den Handtüchern, ob sie nicht mal wieder gewaschen werden müssten. Ich trenne weiße, schwarze, bunte Wäsche scharf. Beim Wäscheaufhängen schmeiße ich Unterhosen nicht einfach auf die Leine, sondern ziehe sie vorher glatt und benutze Wäscheklammern.  Hin und wieder wische ich sogar über die Schrankfronten oder die Kühlschranktür.

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Als Chefeinkäufer lasse ich mich von Werbung nicht beeinflussen.

Gestandene Hausfrauen mögen nun denken: Pfft, na und, mach ich alles immer. Ja, mag sein, aber für mich ist das neu, immer irgendwo herum zu zupfen und zu zuppeln. Und ich würde es nicht auf mangelnde Beschäftigung schieben – eher darauf, ein angenehmes Umfeld für den Rest der Familie schaffen zu wollen.

Hinzu kommt: War es in der alten Wohnung ein hoffnungsloses Unterfangen, gegen den Schutz jahrelanger Vernachlässigung anzuputzen, macht es in der neuen Wohnung beinahe schon Spaß, den frischen, neuen, freundlichen Charakter der Wohnung zu erhalten. Man entwickelt tatsächlich eine Art sportlichen Ehrgeiz. Aber Handkantenschläge in Sofakissen werde ich keine verteilen.

Aber: ich beobachte trotzdem bereits erste Tendenzen, wie ich zum Regelnazi mutiere. „Nicht die Wände anfassen“, herrsche ich die Kinder an. Ich habe noch unser Häuschen in Frankfurt im Blick, wo alle Wände inzwischen durch Hände vermatscht sind. Ich möchte nicht, dass diese Wohnung auch nach wenigen Wochen aussieht wie ein vielfrequentierter Jugendtreff. Manchmal verlange ich vielleicht etwas viel, etwa, dass die Kinder mittags ihre Brotdosen unaufgefordert aus dem Rucksack holen und zum spülen bereitlegen. Und als ich dieser Tage dabei war, die Gläser im Küchenschrank nach Sorten aufzureihen, schön in Reih und Gleid dachte ich mir: Was mache ich hier eigentlich gerade?

Denn zu tun ist sonst ja auch noch genug. Eigentlich werden täglich Einkäufe fällig, frische Sachen, aber auch andere Dinge,da wir einfach nicht, wie gewohnt, eine große Vorratshaltung betreiben. Das hat Platzgründe (Keller oder Abstellkammer gibt es nicht, die Schrankflächen sind begrenzt) aber auch einkaufstechnische: mit dem Auto vorfahren und die Metroklappkiste vollpacken geht hier leider nicht, sondern immer nur so viel, wie sich halt tragen lässt.

Zudem bin ich der Manager der Familienaktivitäten. Bei mir laufen die Informationsdrähte zusammen. Die Mütter der Grundschulklasse haben mich trotz meines rudimentären Portugiesischs in ihre Whatsapp Gruppe aufgenommen. Seither tausche ich mich dort über Geschenke, Grillfeiern etc aus. Der selbe Weg wird auch gerne genutzt, um Verabredungen der Kinder zu koordinieren. So funkte mich vor ein paar Tagen Elsa an. Ihr Sohn würde doch gerne mal mit Ella und Edgar am Nachmittag spielen. Wir guckten uns den Wochenplan an. Freitags ist perfekt.

Eintragung ins Klassenlogbuch, Abholung verabreden, Essen klären (Der Ernährung widme ich demnächst ein eigenes Kapitel), Badehose nicht vergessen. Kaum war das Kind in trockenen Tüchern, meldete sich die nächste Mutter, Manuela. Ihr Sohn würde gerne mal nachmittags…. Gerne auch kurzfristig. Doch diesen Freitag haben wir schon was vor.

Nächsten Mittwoch dann?

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Dieses Buch hilft uns künftig beim Kochen. Ziel: Jede Woche ein Gericht.

Mittwochs ist auch schlecht – Edgar hat um 15.30 Uhr Geigen-AG (und ich um 17Uhr Fußball, aber das sagte ich nicht). Um vorzubauen zählte ich den Rest auch auf. Dienstag, 15.30 Uhr, Ella Geigen-AG; Donnerstag haben beide bis 13.30 Uhr Schule, weil am Ende Fußball bzw. Turnen ist. Montag ist eigentlich auch ungünstig, weil Wiebke und ich bis kurz vor drei Portugiesisch lernen… ich kam mit im Laufe der Aufzählungen immer schlechter vor. Das musste doch von außen wie ein Abwimmelversuch wirken. Aber so ist es ja gar nicht gemeint – wir finden es ja toll, wenn anderen Kinder mit Ella und Edgar spielen wollen. Aber dadurch, dass alle über die Stadt verteilt wohnen (Ipanema, Flamengo…) werden solche Treffen zu logistischen Herausforderungen.

Ginge nicht auch ein Samstag? Startete ich einen letzten Versuch.

Wir einigten uns auf Freitag in 14 Tagen.

Was sonst noch? Neben alledem habe ich die Finanzhoheit im Staate Nöthen. Ich kontrolliere die Eingänge und Abbuchungen (da muss man auch bei deutschen Behörden hinterher sein!), sorge dafür, dass immer rechtzeitig Geld vom Girokonto auf die Kreditkarte fließt (zweistufiges Überweisungsprinzip) und kümmere mich im Bargeld. Wenn Rechnungen zu zahlen sind, meist gegen Ende des Monats, komme ich mir vor wie ein Geldtransporter. Jeden Tag zur Bank, Barabhebung. 1000 Reais pro Tag sind das Maximum. Für die Miete läuft man da schon einige Tage -immer andere Uhrzeit, andere Wege, die perfekte Verschleierungstaktik. Soll mich mal ein Ganove ausspähen! Auch Sprachlehrerin Kora bekommt Bargeld, Handwerker, die Geld sammelnden Mütter der Klasse.

Einzugsermächtigungen scheint es zwar zu geben. Aber in Brasilien überlässt niemand irgendjemand freiwillig seine Kontodaten. Misstrauen gegenüber den Autoritäten – seien es Banken, aber auch Verwaltung, Polizei sind bei den Brasilianern tief verankert. Verfolgt man die Berichterstattung über den Korruptionsskandal („Lava Jato“), weiß man auch warum.

Auch sonstige Besorgungen und  Erledigungen fallen in mein Ressort. Da ist es schon mal schnell 12 Uhr mittags und ich mache mich auf, die Kinder abzuholen.