Schweißtreibender Aufstieg im Parque da Catacumba

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Mirante Sacopa.

Wir sind erst wenige Stufen hochgestiegen, da beginnt mein T-Shirt durchzuschlagen. Mühsam beißen wir uns aus der schwülwarmen Luft Stücke zum Atmen heraus. Es ist ein Sonntagnachmittag, eigentlich ist es Herbst, doch was heißt das hier schon außer, dass es abends einen Tick früher dunkel wird? 32 oder 33 Grad dürften es sein, Sonnenschein. Zum Glück ist der Pfad im Wald.

Besagter Pfad ist im Parque da Catacumba, am Rande der Lagoa de Freitas. Ein rundweg, nicht zu lang und nicht zu steil soll zu zwei Aussichtspunkten führen, von denen man einen Blick vom Atlantik ber Ipanema hinweg, vorbei an den Dois Irmaos (die zwei Brüder), bis zum Corcovado haben soll. Zum Glück haben wir uns einen Tipp zu Herzen genommen, der immer wieder im Vorfeld auftauchte: Nehmt genug zu trinken mit. So schnaufen wir mit 3 Kilo zusätzlichem Gepäck den Weg hinauf. Blöderweise hat aber niemand  von uns an Moskitoschutz gedacht.

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Wegbegleiter.

Plötzlich ein lautes metallisches Surren: über unseren Köpfen schießt ein Jugendlicher mit Bauarbeiterhelm hinweg, aufgehängt im Klettergeschirr an einer Ratsche. Ein Metallseil überspannt die kleine Schlucht. Es ist die Hauptattraktion des Kletterparks. Nach 4oder 5 Sekunden ist wieder Ruhe.

Inzwischen frage ich mich, ob es nicht klüger gewesen wäre, vor dem Aufstieg ebenfalls das T-Shirt auszuziehen, um später etwas trockenes zum anziehen zu haben. Doch die Frage bleibt eine rhetorische – das Hemd ist nicht mehr zu retten. Der Schweiß drückt sogar die vorher aufgetragene Sonnencreme wieder aus den Poren. Oder ist das schon Schimmel?

Es gibt zwei Aussichtspunkte. Den Mirante Sacopa und den Mirante do Urubu. Am Mirante Sacopa treffen wir auf eine brasilianische Familie, die ebenfalls mit der Hitze kämpft. Sie sind mit dem Rad zum Park gekommen, der Aufstieg ist also ihre zweite Disziplin. Drei Kinder haben sie, Drillinge, wie sich im Gespräch herausstellt. Zudem gehen die Kinder auf eine Schule mit deutschem Zweig. Immer noch schwitzend verabschieden wir uns, nicht jedoch ohne ein Familienfoto mit Panorama geschossen zu haben. Ab jetzt geht es nur noch bergab.

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überall war zu entdecken.

Obwohl mitten in der Stadt haben wir das Gefühl, mitten durch den Dschungel zu stapfen. Aus den Baumkronen hängen die Luftwurzeln herunter, alles ist üppig, saftig, tiefgrün; überall kriech, krabbelt und zirpt es. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass es diesen Park noch nicht ewig gibt.

Bis Anfang der 70er-Jahre war der Felsen Catacumba von einer Favela besiedelt. Die Stadt räumte auf und ließ das Areal bewachsen, um ein Naturschutzgebiet daraus zu machen. Von der einstigen Siedlung sind keine Spuren übrig geblieben.

uWieder unten kreuzen wir wieder die Hochseilartisten im Klettergarten. Wir picknicken und schauen den Kletterern beim Panicken zu – wie sie mit zittrigen Knien und angespanntem Gesichtsausdruck in 5 bis 7 Meter Höhe über ein Drahtseil balancieren. Gesichert, klar, passieren kann nicht viel – zwei Helfer mit gelben Shirts sind immer in der Nähe, helfen beim Sichern, geben Tipps. Aber am Ende steht man alleine auf dem Seil und es gibt nur eine Richtung: Vorwärts. Wir beschließen, das bei unserem nächsten Besuch einmal selbst auszuprobieren, da es auch einen eigenen Kletterpark für Kinder gibt – der verläuft auf Augenhöhe unterhalb des Erwachsenenparcours. Ob das allerdings weniger schweißtreibend wird als der kleine Aufstieg vorhin – ich zweifle noch.