Der mysteriöse Herr Edson

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Hat den Standort gewechselt, diese Lampe.

Verreist man für drei Jahre, hat man im Gepäck wenig Platz für Extras – einen Werkzeugkoffer oder eine Bohrmaschine etwa. Drum waren wir auch froh, eine Wohnung gefunden zu haben, in der alles lief und funktionierte. Zumindest schienen keine Installationen mehr nötig.

Jetzt sieht das etwas anders aus. Die neue Wohnung war nackig. Hier hing keine Lampe, keine Jalousie, kein Vorhang, kein Spiegel, kein Bild. Nicht mal Klobrillen waren da. Gekauft ist sowas ja halbwegs schnell, nur mit dem Finger alleine kriege ich hier kein Loch in die Wand. Ist auch gar nicht so einfach, denn Wände werden hier gerne mit solchen Hohlkammerziegeln gemauert. Keine Ahnung, ob und wie darin ein Dübel halten kann.

Aber gut, dass es Edson gibt. Edson gehörte früher einmal zur Handwerkertruppe der Schule, weil dort nämlich auch immer was anfällt. Nur hat man halt nicht einen Hausmeister (Gori, wer ihn noch kennt), sondern gleich mehrere.

Edson soll Mittwoch kommen

Edson hat sich vor eine Weile selbständig gemacht, pflegt aber noch Kontakte zur Schule, das kommt ihm nun zugute. Ist ja auch nicht doof, schließlich kommen ja jedes Jahr neue Lehrer in die Wohnungssuche und Umzieherei beginnt aufs Neue. Juliane stellte den Kontakt her. „Er kommt am Mittwoch mal vorbei und schaut, was alles gemacht werden muss“, rief sie mir am Montag über den Schulflur zu. Ich war auf dem Weg zum Sprachkurs bei Claudinir (eigentlich nur für die neuen Lehrer, aber er hat nichts dagegen und da ja gilt: viel hilft viel). „Um 8 kommt er vorbei.“

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Schon da: die neuen Lampen.

Einen Tag später klingelt es. Es ist Dienstag, kurz nach 9 Uhr. Eigentlich würde ich in Kürze Kora zum Sprachkurs erwarten. Der Porteiro an der Gegensprechanlage kündigt eine Person an. Ich habe nicht genau zugehört. Kann aber ja nur Kora sein. Edson sollte ja erst morgen kommen.

Da die Wohnanlage recht weitläufig und unübersichtlich ist, halte ich nach ein paar Minuten Ausschau auf dem Gang. Außerdem ist es das erste Mal, dass Karo uns in der neuen Wohnung aufsucht. Vielleicht hat sie einen großzügigen Zeitpuffer eingeplant. Dort kommt auch ein Mann in meine Richtung gelaufen. Ist ja nicht Kora, denke ich und schließe die Türe. Fünf Sekunden später klopft es. Hoppla!

Edson, oder nicht?

Er sei geschickt worden, um sich das mal mit den Lampen anzuschauen, verklickert er mir in viel zu schnellem Portugiesisch. Ja ist denn heut‘ scho‘ Mittwoch? – Klar, komm rein, schau dich um. So schaut also der alte Edson aus, denke ich mir. Hatte ich mir anders vorgestellt. Aber egal. Er schaut, nickt, zählt die blanken Lampenanschlüsse. „So isso?“ fragt er dann. Ist das alles? Nein, sage ich noch eine Gardinenstange, zwei Jalousien, ein Spiegel und wenn er Zeit hat, vielleicht noch die drei Bilder im Kinderzimmer….

Er nickt. „Ta bom.“ Er könne morgen, also am Mittwoch gleich um  8 Uhr alles erledigen. Er fragt nach einer Telefonnummer. Ich verneine. Er reicht mir seine Visitenkarte. Agnelho Pinheiro. Also ist Edson eine Art Künstlername, wie bei den Fußballern, reime ich mir zurecht. Vorsichtshalberfrage ich nach dem Preis. Juliane hatte nämlich gesagt, dass Edson eine Tagespauschale von 180 Reais (45 Euro) nehmen würde.

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Das Schlafzimmer bekommt noch einen Vorhang.

Er schreibt auf einen Zettel eine Zahl: 1.200. Offenbar schaue ich etwas verdutzt, drum fügt er schnell Reais an (300 Euro). Euro wäre ja auch noch schöner. Ganz schön viel, denke ich mir. Dafür haben die drei Umzugsleute fast einen ganzen Tag schwer gebuckelt. Das wäre selbst in Deutschland ein stattlicher Handwerkerlohn. Eigentlich müsste ich das mit Wiebke besprechen. Die ist aber in der Schule. Ich beschließe später bei Juliane nachzufragen, sage aber erst mal zu.

Plötzlich kommen Zweifel

Kaum ist er aus der Tür, kommen mir Zweifel: Der falsche Name, der echt hohe Preis. Und wie sich herausstellte war es tatsächlich nicht Edson, sondern offenbar jemand, der gute Connections zur Wohnungsverwaltung zu haben scheint. Offenbar hatte man ihm dort den Tipp mit den frisch eingezogenen Gringos gegeben – ganz schön clever.

Edson kam übrigens auch noch. Wie verabredet am Mittwoch um 8 Uhr. Großes Aufsehen veranstaltete er auch nicht. Er notierte sich die Aufgaben und nach 5 Minuten war er wieder weg. Am Freitagmorgen will er alles