Und zum Abschied krächzte der Tukan

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Wichtige Dinge werden zuerst eingeräumt.

Ist man um 5.30 Uhr am Morgen völlig durchgeschwitzt, dann hatte man zuvor entweder einen veritablen Albtraum durchlebt, oder ein Umzugsunternehmen im Nacken, das morgens um 6 Uhr schon auf der Matte stehen will. Da wundere ich mich immer wieder, w

ie früh die Brasilianer am Morgen auf Gang sind. Und das nicht nur wegen der Hitze. Im Falle unserer Umzugsjungs lag das wohl an irgendwelchen Einschränkungen der Lenkzeiten, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber alles Unrecht gleicht sich aus. Dafür durften sie vor 8 Uhr am Morgen nicht mit dem Verladen unseres Zeugs beginnen.

Mit blieb also genügend Zeit, unsere noch warmen Betten flugs auseinanderzuschrauben. Denn das wollte ich nicht den Jungs überlassen. Nicht nur, weil das garantiert das ganze Unternehmen um 1-2 Stunden verlängert hätte. Ich unterstelle, ich hätte am Ende mit einem Bruchteil der Schrauben auskommen müssen beim Wiederaufbau – warum sollten brasilianische Umzugsunternehmen da eine Ausnahme sein?

Das Sofa macht ratlos

Ratlosigkeit machte sich bei den drei Herren breit, als sie unser Sofa in Richtung Fahrstuhl bugsieren wollten. Zu breit für die Tür, zu hoch für die Tür. Da war guter Rat teuer. Ich beschloss mich rauszuhalten und widmete mich derzeit anderen Dingen. Denn Kartons hatten die Herren trotz Ankündigung nicht dabei. Ebenso wenig anderes Hilfsgerät wie Sackkarren. Alles wurde zunächst zum Aufzug gewuchtet, dann hinunter und von dort die Einfahrt hinunter bis zum Transporter, der vor dem Tor warten musste – zu hoch. Blöderweise hatte der Wetterbericht für diesen Tag Schauer und Gewitter vorhergesagt. Ich gebe es zu: ich sah unser Sofa schon im Regen stehen.

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Unser Umzugstrupp.

Und als wollte uns irgendjemand zurufen „habt ihr Euch das gut überlegt mit dem Umzug“ zeigte sich unsere alte Wohnung an diesem Tag von ihrer besten Seite: Ein Bilderbuchsonnenaufgang versüßte uns den letzten Blick vom viel zu kleinen Balkon. Und just in dem Moment, in dem Wiebke und die Kinder im Begriff waren ins Taxi zu steigen und vorzubrausen, tauchte oben in den Bäumen nochmal der Tukan auf, der uns einige Wochen zuvor willkommen geheißen hatte und krächzte nach Leibeskräften.

Einfahrt zu klein zum einfahren

Der Laster war zwar schon klein, aber immer noch zu groß für die Einfahrt. Das selbe sollte uns am Zielort wiederbegegnen. Die Zäune und Tore sind grundsätzlich so konzipiert, dass zwar SUV gerade noch so durchpassen, aber nichts Größeres. Bei Wohnanlagen mit 80, 100 oder mehr Einheiten wäre das doch eine Überlegung wert zu sein,  oder nicht?

Unsere Jungs juckte das nicht. Weil sie auch nicht den Haupteingang benutzen dürfen (ebenso wenig wie den normalen Aufzug. Für Handwerker, Lieferanten, Empregadas und ähnliches gibt es in jedem Haus einen Servico-Fahrstuhl) stellten sie den Kram erst auf die Straße, buckelten ihn dann in die Tiefgarage, um ihn von dort hinauf in den 8. Stock zu fahren.

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Geschafft: Ein Teechen in Ehren.

In der Tiefgarage standen nun unsere wenigen Habseligkeiten auf einige Inseln verteilt. Denn in der Nacht zuvor hatte es wieder ordentlich geregnet und die Tiefgarage, in diesem Fall wirklich eine und kein oberirdisches Parkdeck, war ziemlich abgesoffen.

Servico-Aufzüge haben auch ihren Vorteil: Meist sind sie einen Tick größer als der normale Aufzug. Auch lassen sie sich mit Matten verkleiden und so vor Kratzern und Schäden schützen. Außerdem kann man die Tür mithilfe eines Schlüssels sperren.

T-Shirt drei Mal durchgeölt

Um sicher zu gehen, dass auch alles mitkam, klebte ich an den Möbelpackern wie mein nassgeschwitztes T-Shirt an mir. Es sollte an diesem Tag übrigens dreimal durchgeölt werden.

Das bedeutete: Während sie schleppten, trug ich den Kram zusammen oder wartete. Als die erste Ladung verstaut war durfte ich vorne im kleinen Cockpit mitfahren. Doch wo war der dritte Kollege?Er faltete sich am Zielort aus dem Lastenkoffer.

Jetzt erst bemerkten wir, wie viel kleiner die neue Wohnung doch offenbar ist. Im Wohn- Esszimmer, das man wie in einer amerikanische Sitcom durch die Wohnungstür betritt, stapelten sich Kartons (die hatten wir im alten Haus beim Altpapier gefunden), Stühle, Tische und schwarze Müllsäcke (darin hatten wir auch eine Menge verstaut).

Gasherd anklemmen, kein Problem. Lampen macht der Elektriker

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Hierhin können wir jetzt öfters gehen.

Dafür standen Kühlschrank, Herd und Waschmaschine schon am Platz – funktionabel wohlgemerkt. Denn anders als in Deutschland, wo nur ein Experte den Herd anklemmen darf, sieht man das mit den Gasherden hier nicht allzu eng. Aber  Lampen aufhängen? Ne, dafür müssten wir schon einen Elektriker kommen lassen.

Immer wieder wurde Wiebke zum Chef des Trupps losgeschickt, um in den umliegenden Fachgeschäften diverses Kleinmaterial zu beschaffen (Adapter, Schläuche, Klebebänder etc.). Gegen 16 Uhr war unser Geraffel in der neuen Bude, um 18 Uhr die letzte Schraube im letzten Bett versenkt. Feierabend. Halleluja. Frohe Ostern.

Wenn jetzt demnächst noch das Internet wieder funktioniert….