BotaSoHo Hipstertreff? – Mittags im Café do Largo

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Geheimtipp, der hipster ist schon da.

Da hatte die New York Times aber schön dick aufgetragen, als sie vergangenen August den Stadtteil Botafogo als den New-Yorkischsten von ganz Rio bezeichnete. „BotaSoHo“ setzten die Schreiber noch einen drauf, wahrscheinlich ohne jemals einen Fuß in die Gegend gestellt zu haben. Und stellten zum Artikel ein Foto, das hauptsächlich den Nachbarstadtteil Humaitá zeigt.

Aber eigentlich war BotaSoHo nur ein Zitat aus der Zeitung O Globo. „Botafogo b airro que se renova” (Stadtteil, der sich erneuert)  hatten diese wiederum ein halbes Jahr zuvor getitelt und Botafogo ordentlich abgefeiert.

Zu recht? Das vermag ich noch nicht beurteilen. Was ich aber beurteilen kann: Botafogo hat Flair und einige Lokalitäten, die man zwar regelrecht suchen muss, aber für die sich der Aufwand lohnt. Eine ganze Reihe haben wir im Auge, die wir nach und nach abarbeiten wollen und werden.

In einem, dem OuiOui, Rua Conde de Irajá, 85. Zigmal schon vorbeigelaufen, das Teil liegt auf dem Weg zur Schule, nie bemerkt. Gut, morgens um sieben ist der Laden noch verrammelt, geöffnet wird erst um 12 Uhr mittags.

Nette französische Küche scheint es hier zu geben, für europäische Verhältnisse nicht teuer (Hauptgerichte 15-25 Euro), dafür Michelinstern geadelt. Innen macht das von außen so unscheinbare Ouioui was her – gepflegter Bistrostil. Nicht übertrieben. Fast wären wir dort gelandet, als wir ein Restaurant für die Einschulungsfeier der Kinder suchten. Wir saßen schon, hatten die Karte schon in der Hand (wahlweise auf Französisch) – doch die Kinder träumten von Sushi. Und was sollten wir in einem Restaurant essen, das zwar sicher tiptop gewesen wäre, aber am Ende möglicherweise für Tränen bei den Jubilaren gesorgt hätte? Danke, ein anderes Mal ganz bestimmt. Im Juli ist ja noch Hochzeitstag.

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…und mit Couscous.

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Einmal mit Kürbis…

Echt drin, also so richtig, waren wir vor einigen Tagen in einem echten – psst – Geheimtipp. Das Café do Largo am Largo dos Leões nämlich ist noch so neu, dass es weder eine Website noch einen Facebookauftritt besitzt. Es besitzt noch nicht mal einen eigenen Laden, zumindest nicht für sich alleine. Wer das Café do Largo sucht, muss das Geschäft „Mutacões “ finden.

Denn darin, im hinteren Ende des Ladens – in dem es organisches, recyceltes gibt; Bilderrahmen, Kleidung, Geschirr, Schnickschnack – läuft man erst hinein. Vorne an dem kleinen Platz weist nur eine Kreidetafel mit Tagesgerichten auf das Café hin. Das ausbaufähige Marketing ist aber gut für uns. Außer einem Nachwuchshipster – die sieht man hier auch immer mehr, also wohl doch BotaSoHo! – gehört der Laden quasi mir.

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Rustikal-alternatives Ambiente.

Selbstgebackene Kuchen gibt es, diverse Säfte, Tees, Kaffee –alles mindestens bio, ich glaube sogar vegetarisch bis vegan. Für letzteres mag ich meine Hand aber nicht ins Feuer legen. Vegetarisch auf alle Fälle, denn nach dem ersten guten Milchcafé in acht Wochen essen wir zu Mittag. Ich bekommt Naturreis mit karamellisierten Zwiebeln, frischen Salat und Couscous mit Humus. Wiebke wählt an Stelle des Couscous einen gedünsteten Kürbis. Sehr schmackhaft, tolle Qualität uns sehr frisch.

Seinen Charme bezieht das Café natürlich auch aus dem Ambiente. Eine Mischung aus Asta-Teestube mit einem ordentlichen Schuss Hilbillytum. Recht amerikanisch; die Möblierung so, wie sie geradeaufzutreiben war – kein Tisch gleicht dem anderen, 12 verschiedene Stühle, eine alte Fahrradfelge als Pinnwand,  hier hätte sich auch Peter Lustig wohlgefühlt.