Parks im Vergleich: Der Aristokrat und sein wilder Bruder

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Natur und Stadt scheinen in Rio perfekt vereint.

Rio liegt direkt am, teilweise im Regenwald. Die Stadt und die Natur- auf den ersten Blick scheint das hier perfekt zusammenzupassen. In dieser Hinsicht scheint es jemand mit der Cidade Maravilhosa, der wunderschönen Stadt, wie die Cariocas Rio nennen, sehr gut gemeint zu haben.

Bei genauerem Hinsehen ist das natürlich etwas anders: Ein Teil der Strände in unmittelbarer Stadtnähe (Botafogo etwa) bzw. das Meer dort, ist dermaßen verschmutzt, dass sie niemand dort ins Wasser trauen sollte. Und am Ufer herumdümpelnde Plastikflaschen sind das kleinste Problem. Und kurz vor den Olympischen Winterspielen in fünf Monaten kann niemand der Verantwortlichen garantieren, dass alle Sportler, die an den Ruderwettkämpfen teilnehmen werden, gesund wieder in ihre Heimat zurückkehren. Das Versprechen jedenfalls, dass die Bucht bis zu den Spielen gereinigt sein würde, wird auch nicht ansatzweise erfüllt werden können. In dieser Hinsicht gehen die Cariocas sehr fahrlässig mit der wichtigsten Ressource um, die sie haben.

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Aristokrat: der Botanische Garten.

Gut, dass es trotzdem noch jede Menge Parks und Natur gibt, die es zu entdecken lohnt. Zwei der spektakulärsten Parks der Stadt, der Jardim Botanico und der Parque Lage liegen direkt beieinander, weshalb eine gemeinsame Betrachtung lohnt.

Der Jardim Botanico ist der Aristokrat unter den Parks Rios. Gepflegt durch die Botanische Gesellschaft ist ein klassischer man möchte sagen monarchischer Park. Kein Wunder: Er wurde 1808 von König Johann VI. gegründet. Er war kurz zuvor, weil ihm die großpolitische Lage in Europa zu heiß geworden war, mitsamt des kompletten Hofstaats (15.000 Personen, wie man liest) von Portugal nach Rio umgesiedelt.

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Orchideenhaus.

Auf einer Fläche von etwa 140 Hektar beherbergt der Botanische Garten ca. 6500 Arten, darunter einige vom Aussterben bedrohte. Der Botanische Garten von Rio zählt zu den zehn wichtigsten seiner Art weltweit.. Die 128 Königspalmen, zum Teil 30-40 Meter hoch, der Hauptallee Barbosa Rodrigues stammen zum Teil noch aus der Zeit der Entstehung des Gartens. Neben zahlreichen Treibhäusern, Orchidarien und Rosengärten, bildet ein See mit Riesenwasserpflanzen, wie die größte Seerose des Amazonas, Vitória Regia, eine Hauptattraktion.

 

 

Zudem findet man im Garten:

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Die Allee mit den Königspalmen.

Casa dos Pilões, eine ehemalige Pulverfabrik (seit 1988 wegen Renovierungsmaßnahmen geschlossen)

Bromelienhaus

Treibhaus mit fleischfressenden Pflanzen (2004 erneuert)

Außerdem gibt es einen kleinen Spielplatz. Der Botanische Parten versucht den Spagat zwischen der üppigen Urwüchsigkeit eines Regenwaldes und der strengen Ordnung eines feudalen Lustgartens. Das gelingt nicht immer, denn oft wirkt er doch sehr luftig. Höhepunkt ist sicher die Allee mit den Königspalmen.

Der Parque Lage ist so etwas wie der wilde kleine Bruder des Botanischen Gartens. Er entstand kurz nach dem Botanischen Garten im Jahr 1811. Rodrigo de Freitas Mello e Castro, früherer Großgrundbesitzer und Namensgeber der Lagoa, kaufte die damalige Zuckerplantage. Seinem romantischen Spieltrieb ist es zu verdanken, dass der Park heute so ist wie er ist – ein üppig zugewachsener Park, schön naturbelassen, der mit einigen kleinen Überraschungen aufwartet.

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Verwunschen und romantisch verspielt: Parque Lage.

So gibt es künstliche Grotten, Pavillons, einen Rapunzelturm, ein kleines Aquarium und diverse Tümpel und Seen, die in der Tat regelrecht entdeckt werden können. Damit punktet der Park sehr bei Kindern, die ein echtes Abenteuer wähnen. Außerdem ist der Park Ausgangspunkt der Corcovado Trails, einem etwa 2-3-stündigen Aufstieg zur Christusstatue. Diese Wanderung haben wir noch nicht gemacht, weil wir erst am Nachmittag dort waren und Rangers sich nicht sicher, ob der Aufstieg für Sechsjährige eine gute Idee ist. Die Meinungen darüber sind geteilt. Während Bekannte sagen, sie hätten den Aufstieg schon mit ihrem fünfjährigen Sohn gemacht, empfiehlt uns ein anderer, in jedem Fall einen Guide mitzunehmen.

Auch im Parque Lage gibt es einen Spielplatz, der sonntags gerne – wie auch der Rest des Parks -für Kindergeburtstage und Picknicks genutzt wird.

 

Gastronomie:

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Hübsches Ambiente, Essen geht so: Café Plage.

Der Name des Parkcafés im Parque Lage ist unfreiwillig komisch. Aus Parque Lage wurde „Plage“. A diesem frühen Sonntagnachmittag war das Café in dem Gebäude, in dem auch eine Kunstakademie untergebracht ist rappelvoll. Man ist auf Touristen eingerichtet, wir wurden prompt auf Englisch angequatscht von den Kellnern. Das kommt sonst in Rio recht selten vor.

Die Preise sind okay: Ein Joghurt mit Müsli 12 Reais (3 Euro), Obstsalat ebenso, ein kleines Körbchen mit sechs kleinen Teilen Frühstücksgebäck 16 Reais. Wir hätten auch richtig essen können, die Speisekarte hätte es hergegeben. Im Vergleich zu anderen Restaurants aber nicht sehr günstig.

Die Qualität war sehr durchschnittlich. Der Fruchtsalat bestand zu 50% aus zu früh geernteter Melone. Der Mate-Eistee nach Art des Hauses war zimmerwarm. Die Limonenlimo für die Kinder, naja, sehr sauer. Wer hungrig ist findet hier sicher was, aber wegen des Essens braucht man den Weg nicht unbedingt auf sich nehmen. Wir bereuten den Besuch schon fast, als wir später einen fliegenden Händler sahen, der Sandwiches mit Queijo Minas (eine Art Mozarella, sehr lecker!) mit Pesto verkaufte.

 

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Beliebt für Kindergeburtstag und Picknick: Parque Lage.

Im Botanischen Garten wartet La Bicyclette auf hungrige Besucher. Das französisch angehauchte Bistro hat eine gepflegte Atmosphäre. Die Karte besteht beinahe ausschließlich aus Sandwiches oder Kuchen. Aber die haben es in sich. Das Baguette ist superfrisch, dick belegt und die Portionen für den Preis (ab 18 Reais) großzügig. Das Brot wird übrigens dort auch gebacken und ist echt richtig lecker. Wir haben sogar schon überlegt, ob es sich nicht lohnen würde, hin und wieder zum Brotkaufen hinzufahren. In puncto Gastronomie geht der Punkt ganz eindeutig an das Bicyclette.

Fazit: Einen Besuch wert sind beide. Der Botanische Garten kostet ein wenig Eintritt (Erwachsener 10 Reais) der Parque Lage kostet nichts. Für kleinere Kinder ist der Parque Lage wohl besser geeignet, etwas mehr Ruhe hat man im Jardim Botanico. Wer hinterher einkehren will, der sollte den Jardim Botanico bevorzugen.

 

Service:

Botanischer Garten, Öffnungszeiten: Montags 12-17 Uhr, Dienstag bis Sonntag 8-17 Uhr, im Sommer (Dez.-März bis 18 Uhr). Geschlossen am 25.12. und 1.1.Eintritt 10 Reais, nur Bargeld.

Parque Lage: Geöffnet täglich 8-17 Uhr, im Sommer bis 18 Uhr.