Visum: Der Polizist bestimmt, wann und wie es weitergeht

Heute ist Weltfrauentag. Ein Vorbild in Sachen Gleichbehandlung ist die brasilianische Bundespolizei, die Policia Federal (PF). Den Beamten dieser Truppe scheint es nämlich ziemlich wurscht, wer vor ihnen steht, ob Männlein oder Weiblein. Wer wie schnell sein Anliegen bearbeitet bekommt entscheidet alleine die Tagesform der Handelnden.

Die Regelung ist eindeutig: Wer länger nach Brasilien einreist, länger als das übliche Touristenvisum von 90 Tagen, der braucht ein anderes Visum, etwa ein Arbeitsvisum. Betritt man das Land, hat man genau 30 Tage Zeit, das vorläufige, beim Konsulat ausgestellte Visum in ein Permanentvisum umzuwandeln, das dann 2 Jahre gültig ist.

Glücklicherweise werden wir bei diesen Amtsgängen von der Schule sehr unterstützt. Dort hat man für uns einen Termin bei der PF arrangiert und uns morgens mit dem Taxi abgeholt. Erster Termin war vergangenen Freitag, 8.20 Uhr. Die PF befindet sich am internationalen Flughafen. Wir müssen also zeitig aufbrechen, denn der Verkehr in Rio ist unberechenbar. Glücklicherweise geht es erst einmal stadtauswärts.

Termine werden überschätzt

Termin bedeutet in diesem Fall: Der Freitagstermin am 4.3. ist eigentlich nur für Wiebke und mich gedacht. Ella und Edgar, obwohl minderjährig, haben einen eigenen Termin am 7.3.ebenfalls 8.20 Uhr bekommen. Aber vielleicht sehen die Polizisten ja ein, dass es sinnvoll wäre, die Registrierung gemeinsam zu machen. Doch Petra, die uns von der Schule begleitet, erhält diesbezüglich gleich einen Korb. Also: Montagmorgen das selbe nochmal.

Die Dienstausweise werden abgegeben. Danach: Warten. Langes Warten. Ich hole Kaffee und etwas zu knabbern. Wir warten weiter. Auf dem Fernseher im Warteraum laufen Nachrichten. Sie erzählen davon, dass Ex-Präsident Lula da Silva bei einer großangelegten Razzia der PF festgenommen wurde. Das soll vielleicht Vertrauen in die Institution PF schaffen.

Wir warten weiter. Glücklicherweise hatten uns die anderen Lehrer gewarnt und wir hatten Bücher dabei. Nach etwa zwei Stunden werde ich aufgerufen. Ein Mann führt mich in ein kleines Kabuff. Er bestreicht eine Metallplatte mit schwarzer Farbe. Anschließend drückt er meine 10 Finger nacheinander auf die Platte. Die Fingerabdrücke kommen demnächst einzeln auf einen Papierstreifen. Auf einem weiteren Papier werden nun vier Finger gleichzeitig und der Daumen separat auf ein Blatt Papier gedruckt, auf dessen Ecke ein Passbild von mir klebt. Das mussten wir mitbringen. Nach zwei Minuten sind die Finger schwarz, die Formulare bedruckt und es heißt wieder: warten. Kurze Zeit später dürfen wir gehen. Es ist gegen 11 Uhr. Gut, dass wir einen Termin ausgemacht hatten.

Wie an der DDR-Grenze

Wer bis jetzt aufgepasst hat wird merken, dass wir ja eigentlich schon über die 30-Tage-Frist drüber waren, genauer, man sich mit der Terminvergabe soviel Zeit gelassen hatte, dass wir auf jeden Fall drüber sein würden. Eigentlich hätten wir eine Strafgebühr zahlen müssen.

?

?

Die dürfen wir dann montags drauf für Ella und Edgar entrichten. Aber nicht wie in Deutschland ein schön gerader Betrag – 5, 10 oder 25 Euro – nein nein: auf dem Formular, das ich dann als Erziehungsberechtigter unterschreiben muss, steht ein vollkommen krummer Betrag. Vielleicht gibt es, wie beim Taxi, einen Minutensatz für Gebühren. Wir maulen nicht, sondern nehmen es sohin.

Denn wir wollen nicht, dass die Polizisten bemerken, dass Wiebke als Funktionsträgerin, sprich Lehrerin, die wichtige Person ist, die eigentlich dabei sein müsste. Doch sie ist heute in der Schule. Da ich offiziell nur als „Ehemann der Lehrerin“, also als Familienanhängsel, miteingereist bin, bin ich, wenn es hart auf hart kommt, gar nicht Unterschriftsberechtigt. Wir hoffen, dass das niemandem auffällt. Also lieber kleine Brötchen backen.

Das mit der Terminvergabe kann sich die PF echt mal sparen. 8.20 Uhr war wieder angekündigt. Zwei Stunden später tut sich immer noch nix. Die M&Ms sind längst aufgefuttert, Ella friert wegen der Klimananlage,weshalb wir angefangen haben, sie in Julias Sonntagszeitung einzuwickeln. Auf die Frage, wann es denn in etwa so weit sein könnte, holt sich Julia wieder einen Korb. Als Polizeibeamter lässt man sich nicht einlullen und diskutiert schon gar nicht über das weitere Vorgehen. Hat schon was von den früheren DDR-Grenzposten. Wer muckt oder sich lustig macht, dem wird die Karre bis auf die kleinste Schraube auseinandergenommen. Mal zeigen, wo hier der Hammer hängt.

Doch irgendwann hat auch das längste Warten ein Ende. Die Fingerprints sind schnell abgeliefert – heute nur Daumen –und wir können verschwinden. In zwei Jahren dürfen wir wieder hin, um für das dritte Jahr zu verlängern. Ich kann es kaum erwarten.