Fußball: Alles, nur kein Club aus Sao Paulo

Brasilien ist Fußball. Fußball ist Brasilien. Die Bundesliga verfolge ich hier aus der Ferne – das Rheinische Derby verfolgte ich mit zwei von Wiebkes Kollegen in der Kneipe des Sportclubs Gurilandia. Mittwochs dann kicken – beim ersten Mal wurde ich natürlich gleich auf mein FC-Trikot angesprochen. „Ist das Dein Ernst?“fragte einer. „Was sonst?“ antwortete ich. Wie sich herausstellte ein Gladbacher. Immer wieder Gladbacher. Überall. Wir kickten am Ende gemeinsam in einer Mannschaft und gewannen. Keine Ausschreitungen, kein Platzsturm in weißen Maleranzügen. Boyz und Wilde Horde, nehmt Euch ein Beispiel – geht doch!

Fußballtrikots gehören zum Alltagsbild. Viele Schüler tragen stolz ihre Vereinsfarben: Barca (weit voran), Bayern, Flamengo, Fluminense, Arsenal, Real Madrid…sicher noch welche vergessen.

Bei der letzten Sprachstunde sprach mich meine Lehrerin Karla auf das Thema an. Sie sei Flamengo, welcher mein Lieblingsverein sei, wollte sie wissen. Ich zeigte auf mein Köln-Trikot, das zum Ausdünsten über der Stuhllehne hing. „Und hier in Rio?“, wollte siewissen.

Eine solche Auswahl will natürlich gut überlegt sein. Einen Verein wählt man nicht wie ein T-Shirt – und wenn es alt und unansehnlich ist, kommt es weg. Das wusste schon Nick Hornby. Aber so richtig vertraut gemacht mit der Karriere habe ich mich noch nicht.

Natürlich weiß ich, dass es in Rio vier große Clubs gibt: Flamengo – rot und schwarz – sieht man hier am häufigsten. Fuminense – rot, grün, weiß – , Vasco da Gama – schwarz-weiß – und Botafogo – schwarz weiß. Aus Gründen des Lokalpatriotismus müsste mein Herz für Botafogo schlagen. Schließlich liegt die Schule in Botafogo, unser Stadtteil, Humaitá, geht quasi in Botafogo über.

Zu Flamengo weiß Wikipedia:

„Der am 17. November 1895 als Ruderklub gegründete Verein wurde fünfmal brasilianischer Fußballmeister und gewann 1981 zudem die Copa Libertadores und den Weltpokal. Der frischeste Erfolg ist der nunmehr 33. Gewinn der Staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro 2014. Aber auch in vielen anderen Sportarten hat Flamengo nachhaltige Erfolge auf höchster Ebene aufzuweisen.

Größtes Idol des Clubs ist Zico, auch weißer Pelé genannt, der den Club zu seinen größten Erfolgen führte und mit 568 Treffern der Rekordtorschütze des Vereins ist. Von 1984 bis 2009 warb ununterbrochen die Ölfirma Petrobras mit diversen Produkten auf der Brust der Trikots von Flamengo. Der Clube de Regatas do Flamengo wurde am 17. November 1895 gegründet. Zuerst waren die Clubfarben noch Blau-Gold, wurden aber wegen der Sonneneinstrahlung schnell blass. Darum entschied man sich am 23. November 1896, also ca. ein Jahr nach der Gründung, zum Wechsel auf die noch heute gültigen Farben Rot und Schwarz.

Die Fußballabteilung entstand erst 1911, als neun Spieler von Fluminense Rio de Janeiro eine neue Heimat suchten. Offiziell wurde der neue Sport am 24. Dezember 1911 aufgenommen.“

 

Fluminense:

„Der Fluminense Football Club, meist nur kurz als Fluminense referenziert, im deutschsprachigen Raum auch als Fluminense Rio de Janeiro bekannt, ist der älteste Fußballverein Rios. Er wurde am 21. Juli 1902 durch den Anglo-Brasilianer Oscar Cox begründet.

Bis dato ist Fluminense einer der bedeutendsten Fußballvereine des Landes und gewann vier nationale Meisterschaften. Der Verein öffnete sich seither zahlreichen weiteren Sportarten und wurde 1949 mit der Coupe Olympique, dem Olympischen Pokal, ausgezeichnet.“

 

Vasco da Gama:

„Vasco da Gama, offiziell Club de Regatas Vasco da Gama, oft auch nur Vasco genannt, ist einer der erfolgreichsten Fußballvereine aus der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro.

 

Der Club de Regatas Vasco da Gama („Ruderklub Vasco da Gama“) wurde am 21. August 1898 durch portugiesische Einwanderer gegründet. Rudern war zu dieser Zeit die wichtigste Sportart in Rio de Janeiro. Inspiriert durch die Feierlichkeiten zum 400. Jahrestag der Entdeckung des Seeweges von Europa nach Indien durch Vasco da Gama, beschlossen die Gründer, den Verein nach dem portugiesischen Seefahrer zu benennen.“

Botafogo:

„Botafogo de Futebol e Regatas, in der Regel kurz Botafogo genannt, ist ein in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro beheimateter Sportverein. Sein internationales Renommee bezieht der Klub aber vornehmlich von seiner Fußballabteilung. Weltstars wie Garrincha und Nílton Santos machten den Club ab Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts berühmt und erfolgreich.

Der Verein der im gleichnamigen Viertel Botafogo von Rio de Janeiro begründet wurde, ist einer der vier großen Fußballvereine der Stadt und gehört zu den traditionsreichsten Brasiliens. Von den Lesern des FIFA-Magazins wurde er unter den großen Vereinen des 20. Jahrhunderts im Dezember 2000 auf Rang zwölf gewählt.

Das Vereinssymbol ist ein weißer Stern auf schwarzem Grund. Die Mannschaft spielt seit der Gründung in schwarz-weiß-längsgestreiften Trikots und schwarzer Hose.“

Zuletzt waren die schwarz-weißen weniger Erfolgreich. Sie spielten in der 2. Liga, schafften aber zuletzt den Wiederaufstieg.

Und was nun, wenn ich vielleicht einen Club aus Sao Paulo sympathischer finde? „Gibt es Cariocas, die Fans von Clubs in Sao Paulo sind?“, frage ich deshalb Karla. Da wird die kleine Frau energisch und beginnt mit den Händen eine unterbindende Geste zu fuchteln. „Nein, das ist ausgeschlossen!“ sagt sie fest. „Cariocas unterstützen Teams aus Rio, nicht aus Sao Paulo“, unterstreicht sie ihre Gestik verbal. Clubs aus Sao Paulo gelten in Rio landläufig als arrogant – und besser organisiert und geführt, räumt Karla ein. „Ich vielen Clubs hier ist Korruption ein großes Problem“, sagt sie und fügt an: „Wie im ganzen Land. Stell Dir vor, Andi“, sagt sie „wenn es um das Thema Korruption geht wird Brasilien immer mit afrikanischen Ländern verglichen. Das ist doch schrecklich!“ Ich nicke zustimmend.

Korruption ist ein flächendeckendes brasilianisches Phänomen, das liest man immer wieder. Die halbe Regierung soll in einen der größten Bestechungsskandale des Landes verwickelt sein, der sich um das staatliche Erdölunternehmen Petrobras rankt. Bislang ist noch so gut wie jeder Regierungschef irgendwann auch bestochen worden. Selbes soll auch für die Polizei und Verwaltungen gelten. Bislang sind wir noch nicht oft mit den Staatsorganen in Berührung gekommen. Man sollte es auch tunlichst vermeiden, hören wir immer wieder. Aber das ist wahrscheinlich auf allen Ebenen so, nicht nur beim Fußball.

Ich denke es wird darauf hinauslaufen, welcher Verein meinem FC am ähnlichsten ist. Große Tradition scheinen alle zu haben, auch schon bessere Zeit scheinen die meisten erlebt zu haben. Flamengo beendete als 12. die vergangene Saison und war damit bestes Team des Quartetts. Von daher kommen alle vier irgendwie infrage.