Einkaufen ohne Auto – wie kriege ich den Kram bloß in die Wohnung

Neben dem Wohnen ist die Versorgung mit Güter und Lebensmitteln eines der elementarsten Grundbedürfnisse des Menschens, vulgo: das Einkaufen. In Deutschland setzt man sich ins Auto, fährt zu Aldi oder einem anderen Retailer seiner Wahl, greift die Dinge traumwandlerisch routiniert aus dem Regal und fährt anschließend wieder heim. Hier in Rio läuft es im Grunde ähnlich und doch ziemlich anders.

Das liegt zum einen daran, dass wir kein Auto haben. Alle gekauften Lebensmittel müssen also in dünnen Plastiktüten – von denen gibt es hier reichlich und manchmal zwei ineinander gesteckt – nach Hause gebuckelt werden. Entweder man fühlt sich nach dem Einkauf wie ein Lastenesel (und am Ende steigt unsere Straße recht steil an), oder man läuft immer wieder. Dies haben wir am Anfang gemacht, nervt aber mit der Zeit. Und ich glaube unser Porteiro fragte sich auch schon, war die komischen Gringos da eigentlich fast jeden Tag ins Haus schleifen. Immerhin: wegen der vielen Tüten brauchen wir nicht eigens Mülltüten zu kaufen.

Doch es gibt Alternativen. So gut wie jeder Supermarkt bietet einen Lieferservice für die Einkäufe an. Vergangen Samstag haben wir das mal getestet im Pão de Açucar-Supermarkt. Der liegt etwas weiter entfernt, ist dafür größer und bietet entsprechende Auswahl. An der Kasse fragten wir nach, wie das denn mit dem Liefern laufe. Die Kassiererin winkte einen jungen Mann herbei, der in Ecke gelangweilt vor sich hin starrte. In einer halben Stunde könnten die Einkäufe bei uns sein, sagte er. Ich war ein wenig skeptisch, schließlich hatten wir ja auch Fleisch, Joghurt und Käse gekauft, also Dinge aus der Kühltheke. Andererseits: Eine halbe Stunde würden wir auch etwa laufend benötigen. Und wir hatten einen Sixpack große Wasserflaschen dabei (6 x 1,5 Liter), die werden bei 35 Grad auf Dauer schwer.

Lieferdienst mit dem Fahrrad

Also gut, wir willigten ein. Der Knabe schnappte sich ein paar Plastikkisten und verstaute unsere Vorräte. Ziemlich vorsichtig übrigens, wie ich finde. 14 Reals kostet dieser Service übrigens, ca. 3 Euro, lohnt sich also nur ab einem gewissen Volumen. Name und Adresse notiert, ebenso die Einkaufssumme für den späteren Abgleich. Fertig.

Eine knappe Dreiviertelstunde später. Vom Fenster sehe ich einem Mann mit Lastenfahrrad, der sein Gefährt, bepackt mit zwei großen Plastikkisten das, wie gesagt, steile kopfsteingepflasterte Reststück unserer Straße hinaufwuchtete. Danach noch die Einfahrt hinauf, die sich ebenfalls ziemlich hochschraubt. Immerhin hat das Haus einen Aufzug – das wird er sich wohl auch gedacht haben. Der Porteiro kündigt uns die Lieferung indessen per Hausruf an. Fünf Minuten später ist der Kühlschrank gefüllt.

Wie bislang immer, wenn es um angebotene Dienstleistung geht, die man in Deutschland selbstverständlich selbst erledigt, überkommen und Skrupel. Ist es dekadent, die Einkäufe liefern zu lassen? Oder gibt man damit nicht doch jemandem eine Verdienstmöglichkeit, der sonst vielleicht weniger Chancen auf ein Einkommen hätte? Wir entscheiden uns für letztgenannte Argumentation. Allerdings geht so der Taxifahrer leer aus, der nämlich ansonsten Alternative 2 darstellen würde.

Mit dem Taxi das Futter transportieren

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Tok&Stok, das brasilianische Ikea liefert selbstverständlich auch.

Dazu vorweg: Taxis sind in Rio ein Massentransportmittel. 12.000 dieser gelben Flitzer soll es geben in der Stadt, ein Großteil scheint durch die Südzone zu zirkulieren. Anders als in Deutschland ist Taxifahren also kein Luxus. Ein Busticket würde uns pro Person und Fahrt 3,80 Reals kosten, also 15,20 Reals. Egal, wie lange die Fahrt im Stadtgebiet ist.

Mit dem Taxi bewegten wir uns bislang fast ausschließlich in den angrenzenden Stadtteilen. Bis zum Strand in Ipanema kostet die Fahrt, wenn man gut durchkommt, 17-23 Reals, also einen guten Euro mehr. Dafür ist man wesentlich schneller am Ziel. Und manche sagen auch sicherer. Bei kürzeren Strecken ist das Taxi also fast günstiger. Denn die Fahrt zurück von besagtem Supermarkt haben wir auch bereits getestet. 9-12 Reals (2-3 Euro) kostet die Fahrt bis vor die Türe, also weniger als der Bus (der die Route eh nicht fahren würde, weil der Supermarkt an der Gegenrichtung liegt) und fast noch weniger als der Lieferdienst.