Einer von 2000 deutschen Lehrern im Ausland werden – so geht es

Mal zwischendurch ein paar Zahlen. Rund 130 deutsche Schulen gibt es in etwa 60 Ländern. Laut Lehrergewerkschaft GEW arbeiten zurzeit rund 2000 deutsche Lehrer im Ausland. Freilich erfasst sind dabei nur solche Lehrer, die über die Zentralstelle für Auslandsschuldienst vermittelt wurden. Man kann sich auch direkt bei den jeweiligen Wunschschulen bewerben.

Finanziert und betrieben werden die Schulen in aller Regel durch einen Trägerverein. Heißt: Eltern müssen für den Schulbesuch ihrer Kinder ein Schulgeld bezahlen. Auch der deutsche Steuerzahler leistet seinen Beitrag zum Unterhalt der Auslandschulen: 225 Millionen Euro hat die Bundesregierung laut GEW 2007 für den Auslandsschuldienst ausgegeben. Die Bundesländer tragen durch die Entsendung von Lehrkräften zum Auslandsschuldienst bei.

Entsendet werden Lehrkräfte in der Regel für drei Jahre am Stück, maximal für sechs Jahre. Mit Glück könnte man danach noch eine zweijährige Verlängerung bekommen, wenn man eine Funktionsstelle, etwa Schulleiter, ergattert. Danach ist definitiv aber Schicht. So will man verhindern, dass Lehrer, die zu lange im Ausland waren, verbuschen, wie man sagt. Also auswildern, den aktuellen Bezug zum Heimatland, der Kultur verlieren. Zwei Jahre muss man dann wieder zurück nach Deutschland, ehe man sich dann wieder neu für den Auslandsdienst bewerben kann.

Doch Lehrer ist nicht gleich Lehrer. Denn es wird unterschieden zwischen mehreren Gruppen, die häufigsten sind die Ortskräfte und Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK). Der Unterschied liegt im Wesentlichen in der Bezahlung. Während sich die Bezahlung der Ortskräfte an den ortsüblichen Gehältern orientiert, die auch an inländische Lehrer gezahlt werden, bleiben ADLK quasi Einkommensinländer. Zudem bleiben ADLK verbeamtet und behalten ein Anrecht auf ihrer vorherige Stelle.

Zum normalen deutschen Gehalt, das komplizierter Weise in Deutschland und Brasilien versteuert werden muss (es gibt kein bilaterales Steuerabkommen), der brasilianische Teil aber irgendwie zurückfließt, gibt es eine steuerfreien Teil. Einen Ortszuschlag. Bei der Bundeswehr nannte man das Buschgeld. Faustformel: Je beschissener der Ort, desto mehr Kohle. Ein kleines Trostpflaster für eine Ost-Stationierung.

Bei Auslandslehrern ist das ähnlich. Die diversen Orte wurden bislang auf einer Skala von 1 bis 15 aufgedröselt. Seit Ende September 2016 gibt es neue Richtlinien, wurde sie auf 20 erweitert. Die Skala schlüsselt die Höhe des Ortszuschlags auf, gewichtet nach Lebenshaltungskosten und Attraktivität des Standorts. Beispiel: Brüssel hat 1. Heißt: Kosten ähnlich wie hier, attraktiv, wenig Zuschlag.

Am anderen Ende der Skala findet sich beispielsweise Kabul. Saugefährlich, will keiner hin, also viel Kohle. In Zahlen: Stufe 1 liegt bei etwa 800 Euro im Monat, Stufe 15 bei knapp 3000 Euro (Stand 3/2015, laut Homepage ZfA). Sydney in Australien läge bei 4, Rio de Janeiro im Mittelfeld bei Faktor 7. Hinzu kommt außerdem ein Zuschuss für den Ehepartner sowie für jedes Kind.

Jede Familie bekommt zudem einen Mietzuschuss. Vom zu versteuernden Bruttogehalt werden 20% als Mietanteil einbehalten. Dafür gibt es einen Mietzuschuss in Landeswährung –jedoch ist dieser Zuschuss gestaffelt (nach der Anzahl der Personen im Haushalt) und gedeckelt. Das Penthouse mit Blick auf die Copacabana ist leider nicht drin. Für Umzugskosten gibt es eine Pauschale und der Hin- und Rückflug wird bezahlt. Aber ich will hier niemanden mit blanken Zahlenreihen langweilen. Kann man alles auf der Seite der ZfA genau nachlesen. Wollte damit nur sagen: es ist nicht unattraktiv. Allerdings muss bedacht werden, dass der Partner, der bislang vielleicht auch berufstätig war, nur sehr schwer (wenn überhaupt) an ein Arbeitsvisum für Brasilien kommt- wenn man dafür nicht bis zu 50.000 Real zahlen will. So will man sich wohl Aussteiger vom Leibe halten, die sonst irgendwann dem Staat auf der Tasche liegen würden. Kanada oder Australien machen es übrigens ganz ähnlich.

Aktualisiert: Absatz 6, 2.12.16, 7.03 Uhr.