Noch 3 Wochen: Die Wohnung ist fix und die Nerven liegen zusehends blank

Sollte ich wieder anfangen zu rauchen? Neulich hatte ich echt einmal ganz kurz diesen Gedanken. Mehr als 10 Jahre ist es her, dass ich das Rauchen bleiben ließ. Und nie hatte ich bislang das Bedürfnis, wieder zur Kippe greifen zu müssen. Doch vor einigen Tagen flackerte es kurz auf.

Was war passiert? Kurz gesagt: ich weiß es gar nicht genau. Nicht Großes, Schlimmes. Vielmehr ist es Summe der kleinen Teile, die mich, uns, an die Grenzen treiben. Wir stellen zunehmend fest,wie schwer es ist ruhig zu bleiben und nicht gleich beim erstbesten Anlass aus der Hose zu springen. Gerade gegenüber den Kindern ist meine, unsere, Toleranzschwelle niedriger als sonst. Dabei versuchen wir eigentlich, genau sie möglichst wenig von unserer Dünnfelligkeit spüren zu lassen.

Ein Beispiel, ganz frisch, eben erst passiert: Es gehört zu unserem abendlichen Ritual, dass beide Eltern den Kindern, wenn sie denn schon im Bett liegen, eine Gute-Nacht-Kuss vorbeibringen. Oft geht das so: Ich sitze vor dem Rechner, während sich die Kinder allmählich nach mehrfacher Aufforderung ins Bett zurückziehen. Sind sie bereit, wird man gerufen.

Ich ging die Treppe hinauf, betrat das Zimmer. In den Betten zeichneten sich unter der Decke zwei dicke Päckchen ab. Das machen sie gerne, dass sie sich so verstecken. Als ich gerade einen Schritt in Richtung Bett mache, schließt sich die Türe. Hinter dieser hatten sich Ella und Edgar versteckt. Mit einem lauten „Buuuuh!!“ und schelmischem Gelächter haben sie mich in der Tat ein wenig erschreckt – damit hatte ich nicht gerechnet. Sie freuen sich wie die Schneekönige.

Heute ähnliche Situation. Sie rufen, ich löse mich vom Rechner und stapfe hinauf. Im Kinderzimmer, auf den Betten herrscht geschäftiges Treiben: Ella stopft alle Kuscheltiere unter ihre Decke, während Edgar nervös durchs Zimmer tänzelt. Anscheinend bin ich einen Augenblick zu früh. „Wir wollten Dich wieder so erschrecken, wie neulich“, platzt es aus Ella heraus – Geheimnisse für sich zu behalten gehört wahrlich nicht zu ihren Stärken. Obwohl sie tierischen Spaß bei ihrem Tun haben, will ich nur schnell wieder zurück vor den Rechner. „Ella, das wird durch ständiges Wiederholen nur langweilig“, gebe ich die spießige Spaßbremse par excellence. Ella ist so enttäuscht, dass ihre Stimme bebt: „Pass auf, dass Du nicht mal langweilig wirst!“ ruft sie mir auf der Treppe hinterher.

Zehn Minuten später sitze ich am Rechner, habe die Arbeit kurz unterbrochen. Um noch mal hinaufzugehen. Und mich zu entschuldigen. Schöner Penner biste, dachte ich mir. „Ist nicht schlimm, Papi.“ Kinder sind eben die weiseren und großherzigeren Menschen.

Verabschiedungsmarathon dauert an

Doch was ich eigentlich sagen wollte. Der Verabschiedungsmarathon dauert an. An Weihnachten für mich die Rheinlandrunde, gestern Abend bei Theo, einem Freund der Kinder – sicherlich aber nicht zum letzten Mal. Die nächsten Tage sind ebenfalls weitgehend verplant. Abernicht falsch verstehen: Wir wollen uns wirklich von allen gebührend verabschieden, nur irgendwie hat man das Gefühl, keinem wirklich gerecht werden zu können. Und das ist schade.

Heute schneiten zwischen Tür und Angel, bzw. zwischen Sprachkurs (für uns) und Krankenhaus (für sie) Claudi und Luna herein. Sie sind seit Mai vorigen Jahres in Accra (Ghana) und auf Weihnachtsheimatbesuch im Lande. Schnell die Kinder abgeholt, ab in den Zoo, während sich Mama und Papa mit Grammatikübungen rumschlagen müssen. Anschließend bleiben immerhin noch 20 Minuten Zeit für eine Tasse Tee im Stehen, einen Eintrag in Ellas neues Freunde-Buch und den stakkatohaften Austausch über den Sinn und Zweck von Besuchsrunden. Wir können uns das bislang freilich nur theoretisch ausmalen. Aber wir können Claudis Schilderungen gut nachvollziehen. Während sie in den Mietwagen springt und nach Sachsenhausen ins Krankenhaus zu ihrem Mann Tobi düst – er hat gerade die Mandeln herausbekommen – machen wir uns auf zu Decathlon nach Wallau; die Kinder brauchen neue Sportschuhe, wir wollen nach Sonnenbrillen schauen.

Wohnung ist fix! Blick auf den Zuckerhut

Dabei fällt die News des Tages beinahe unter den Tisch: Die Wohnung ist fix. Der Verwalter hat unser Mietpreisangebot angenommen (nachdem er zunächst 40% mehr haben wollte), die Wohnung ist gereinigt und für den Januar, in dem die von uns frisch erstandenen Möbel der Vorgängermieterin einen Monat ohne uns auskommen müssen, müssen wir nur die Mietnebenkosten zahlen. Miethaie haben scheinbar manchmal doch ein Herz. Jetzt fehlt nur vom Balkon die Aussicht auf den Dom. Aber der Zuckerhut, den man tatsächlich sehen kann (wenn auch klein) geht auch, oder?

Weiter unter 069 erreichbar

Und noch eine gute Nachricht des Tages: Aller Voraussicht nach werden wir auch in Rio (genaue Adresse auf Anfrage) unter unserer jetzigen Festnetznummer (069/200 237 91) erreichbar bleiben. Grund für dieses technische Kabinettstückchen ist die Firma Sipgate. Sie bietet Internettelefonie an. Man kann sich das wie Skype vorstellen, nur halt ohne Bild, rechnerunabhängig und per Telefon. Grob funktioniert das so: Man registriert sich. Das sollte man möglichst noch in Deutschland tun, denn der Anschluss ist dann am Alten Wohnort registriert, also Frankfurt. Danke Jörn und Till für den guten Tipp!

Ist der Anschluss geprüft und genehmigt, bekommt man einen Freigabecode und kann sich eine Festnetznummer aussuchen. Verbindet man nun noch eine Telefon – das müssen wir vor Ort erst schauen, wie das geht, deshalb voraussichtlich – gehen die Anrufe quasi in Deutschland ins Netz. Die Verbindung nach Rio läuft dann über das Internet. Wer also in Deutschland über eine Festnetzflat verfügt, kann dann auch künftig mit uns kostenfrei telefonieren. Der Rest zum Ortstarif. Die zugewiesene Festnetznummer kann nun noch gegen die alte Festnetznummer (sofern abgemeldet) portiert werden – wie beim Handy.