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Fünf internationale Superstars am Fastfood- und Streetfood-Himmel

Biltong (Südafrika)

In Südafrika schwört man auf Biltong. Die Vortrekker erfanden diesen Snack in den frühen Jahren der Besiedlung. Wahrscheinlich, um auf diese Art das Fleisch der Zucht- und Wildtiere haltbar zu machen. Kühlschränke gab es ja keine. Der Begriff stammt aus dem Niederländischen von bil „Keule“ und tong „Zunge“. Biltong ist vor allem in Südafrika und Namibia verbreitet – in allen Bevölkerungsschichten.

Es, bestehet aus luftgetrocknetem Rindfleisch oder Wildfleisch. Biltong von Strauß, Kudu, Springbok und Warzenschwein sind keine Seltenheit. Seit 2010 darf Biltong auch von den EU-Ländern importiert werden. Eine Besonderheit ist, dass das Fleisch vor dem Trocknen unterschiedlich mariniert wird. So gibt es Biltong süß-sauer, teriaki oder mit Chili.

Aber Vorsicht: Nicht alles, was auf der Packung steht, sollte man auch glauben. 2013 deckte eine von der Universität des Westkaps durchgeführte Studie auf, dass bis zu 90 % der in Südafrika als Wildbret-Biltong hergestellten und dementsprechend deklarierten Ware neben der auf der Verpackung angegebenen Spezies auch Fleisch von anderen Tieren wie z. B. Pferd, Giraffe, Schwein und sogar Känguru enthielt.

Eine Probe enthielt darüber hinaus Fleisch des vom Aussterben bedrohten Bergzebras. Demgegenüber bestanden aber sämtliche als Rindfleisch-Biltong deklarierten Produkte auch tatsächlich nur aus Rindfleisch. Also nicht nur in Deutschland landen Gäule in der Lasagne.

So macht man Biltong selbst.

 

Poutine (Kanada)

Poutine ist nicht die kanadische Schreibweise eines russischen Präsidentennamens, auch wenn des phonetisch identisch klingt: Es ist das kanadische Fastfood schlechthin. Es stammt aus dem frankophonen Teil des Landes, aus der Provinz Quebec.

Poutine besteht aus Pommes Frites, vielen Pommes Frites, die mit Käsebruch überstreut werden. Das ist besonders wichtig, denn Käsebruch ist eine Vorstufe bei der Käseherstellung. Käsebruch quietscht beim Kauen und fühlt sich sensorisch leicht gummiartig an – ähnlich dem Haloumikäse aus dem Mittelmeerraum. Das ganze wird dann noch schön in einer großen Kelle Gravy, also nicht näher definierter brauner Soße ertränkt. Natürlich gibt es auch zusätzliche Toppings, etwa pulled pork oder – ja auch das – Gemüse.

Die Poutine gibt es wohl noch gar nicht so lange. Erst seit den späten 50er-Jahren. Woher genau sie stammt ist umstritten. Es gibt mehrere Orte, die für sich reklamieren, Ursprung dieses kalorienreichen Essens zu sein: Drummondville (angeblicher Erfinder dort Jean-Paul Roy in 1964), Saint-Jean-sur-Richelieu and Victoriaville.

Davor gab es das Gericht auch schon, wurde aber lapidar als Chips and Gravy geführt, also Fritten mit Soße. Forscher haben den Ursprung dieser Variante in England und Schottland bis zum Jahr 1901 zurückverfolgen können.

So macht man Poutine.

 

Pão de Queijo (Brasilien)

Pão de Queijo ist eine brasilianische Backware und heißt übersetzt Käsebrot. Dies ist jedoch nicht mit einer deutschen Käsestulle vergleichbar. Vielmehr ist der Käse im Teig des Pão verbacken. In manchen Gegenden wird es auch Chipá genannt.

In Brasilien hat es seinen Ursprung in den Bundesstaaten Goiás und MinasGerais, letzterer bis heute für hervorragende Käseherstellung bekannt. Ähnliches lässt sich aber auch in Argentinien und Paraguay finden. Eine genaue Klärung der Herkunft gibt es scheinbar nicht. Es wird aber vermutet, dass es schon seit dem 18. Jahrhundert Pão de Queijo bzw. dessen Vorgängergebäck gab. Die Brasilianer schätzen das Gebäck flächendeckend etwa seit den 1950er-Jahren.

Bei Pão de Queijo handelt es sich im Prinzip um einen Brandteig aus Polvilho (Stärke, die als Nebenprodukt bei der Herstellung von Maniokmehl entsteht). Zur Zubereitung können die verschiedensten Zutaten sowie Käsesorten verwendet werden.

Pão de Queijo ist in Brasilien in jeder Bäckerei zu finden. Da jeder Bäcker sein eigenes Rezept hat, ist das Resultat in jeder Bäckerei verschieden. Außerdem kann Pão de Queijo gefroren oder als Backmischung gekauft werden. In dieser Form wird es zudem von Brasilien in die ganze Welt exportiert. Viele Leute mögen diese Variante jedoch nicht und bereiten das Gebäck lieber zuhause zu.

So macht man Pão de Queijo

 

Fish’n’Chips (Geoßbritannien)

Fish ’n’ Chips ist ein Streetfood bekannt aus England – panierter und frittierter Backfisch mit Fritten, eingewickelt in einer alten Zeitung. So war es wenigstens früher.Fish and Chips gilt als inoffizielles Nationalgericht Großbritanniens und sind bis heute ein fester Bestandteil der Esskultur, auch wenn sie in den letzten Jahren an Popularität verloren haben. Dafür sind indische Currys oder Kebabs massiv auf dem Vormarsch

Fish und Chips kocht man nicht zu Hause. Man kauft es in speziellen Buden auf der Straße als Take away- und je schmieriger die Bude, desto besser.

Doch mit Fish und Chips ist es wie in Deutschland mit den Bürgern. Im Zuge der Gentrifizierung hielt das traditionelle Arbeitergericht auch in der gehobenen Gastronomie Einzug, wo es in verfeinerten Varianten (etwa mit Edelfischen) auch in Hipster- und Bankerkneipen gerne angeboten wird.

Woher das Gericht stammt? So genau weiß das niemand.  Man mutmaßt, dass das Gericht aber auf getrennten Wegen auf die Insel kam: die Chips aus Frankreich und die Zubereitungsart des Fischs mit jüdischen Einwanderern.  Bekannt ist auf jeden Fall, dass Fish ’n’ Chips erst im 19. Jahrhundert zum Nationalgericht aufstieg. Grundlage des Erfolgs waren kleine Familienbetriebe, die lautstark werbend durch die Straßen Londons und Nordenglands zogen und dabei auch Fish’n’Chips anboten.

So macht man Fish ’n‘ Chips

Currywurst (Deutschland)

Wer hat’s erfunden? Diese Frage stellt sich auch bei der Currywurst. Auch hier scheint die Herkunft nicht zweifelsfrei belegbar: Ruhrpott, Berlin oder Hamburg werfen ihre Hüte in den Ring. Aber letztlich ist es ja auch Wurscht.

Die Herstellung ist überall ähnlich, wenn auch in kleinen Varianten: Basis ist eine Bratwurst, im Rhein-Main-Gebiet kann es etwa eine Rindswurst sein. Drüber kommt eine Soße auf Tomaten- bzw. Ketchupbasis. Und darauf noch die geheimnisvolle Gewürzmischung, die meist dann den Unterschied macht.

Hertha Heuwer aus Charlottenburg wird in Berlin jedenfalls als Erfinderin gefeiert. Die erste Sauce und das erste Currypulver soll sie jedenfalls 1949 von britischen Soldaten erhalten haben. Der Rest ist Legende. Die Sauce ließ sie sich sogar 1951 patentieren und startete mit der Geschäftsidee durch. Bis zu 10.000 Würste soll sie in besten Zeiten pro Woche gebraten und gehäckselt haben. Heuwer wäre am 30. Juni 2013 100 Jahre alt geworden.

Fakt ist aber auch:

Es gibt seither keinen Regierenden Bürgermeister von Berlin, der sich nicht bei oder kurz nach Amtsantritt mit einer Currywurst hätte ablichten lassen. Currywurst = Volksnähe = Wählerstimmen. So wird in Berlin Politik gemacht.

In seinem Roman “Die Entdeckung der Currywurst” , ISBN 978-0811212977, im guten Buchhandel zu kaufen, verlegt Autor Uwe Timm die Geschichte gar nach Hamburg. Man mag das künstlerische Freiheit nennen, einen Wahrheitsanspruch hat er jedenfalls nie erhoben.

Seit dem 15. August 2009 gibt es in Berlin das Deutsche Currywurst Museum.

So macht man Currywurst