Kann man auf den Fall der Fälle vorbereitet sein? Sicherheitstraining

Die Nachricht klang dringlich: Wegen veränderter Sicherheitslage im Zielland müsse Wiebke auf jeden Fall vor der Ausreise noch ein eintägiges Sicherheitstraining absolvieren. Ohne das, so das Schreiben, dürfe der Dienst nicht angetreten werden.

Ich schluckte. Hatten wir uns so verschätzt, als wir der Schule in Rio zugesagt hatten? Ich schaute zunächst mal auf den Seiten des Auswärtigen Amts. Dort konnte ich keine Veränderung erkennen. Nicht, dass ich dort regelmäßig rumhängen würde, aber der Text kam mir noch bekannt vor. Hier ein Auszug:

„Die Gefahr, Opfer eines Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens zu werden, ist in Brasilien erheblich höher als in Westeuropa. Besonders Großstädte wie Belém, Porto Alegre, Recife, Salvador, Fortaleza, São Luiz, Maceio, Rio de Janeiro und São Paulo weisen hohe Kriminalitätsraten auf. Grundsätzlich ist Vorsicht angebracht, auch in als sicher geltenden Landes- oder Stadtteilen. Besonders stark von Kriminalität und Gewalt betroffen sind Armensiedlungen (Favelas).“ Wer mehr lesen mag, hier. Hier sind nun die Dinge zusammengefasst, die die Fachleute Wiebke und den anderen Lehrern an die Hand gegeben haben. Merke: Nicht jeder Tipp trifft für jedes Land gleich zu – in manchen Ländern ist im Zweifelsfall mehr zu beachten, als in anderen.

Soweit, so bekannt. Auch wenn das nicht gerade beruhigend klingt. Es gilt schon sich vorsichtig zu bewegen. Entsprechend sah dann auch die Themenauswahl aus, die Wiebke erwartete: Verhalten bei Einbrüchen, Überfällen, Autoentführungen.

Unterwegs mit dem Auto

Vorher Fahrzeug überprüfen: Wasser, Öl, Luft, Kraftstoff, Ersatzreifen – alles da? Werkzeug auch? Vor Einreise klären, ob bei Kontrollen Kopien der Papiere ausreichen. Navigationsgerät oder Kartenmaterial vorhanden? Dann kann es losgehen. Aber besser nicht im Dunkeln losfahren, wenn man sich nicht auskennt. Vorher klären: Wo kann ich tanken, wo gegebenenfalls übernachten.

Gefahren stellen nicht nur vermeintliche Ganoven dar, sondern diese können auch und vor allem nachts  von Tieren ausgehen. Man stelle sich vor, man kurvt durch das nächtliche Kanada, links und rechts Wald. Plötzlich läuft eine Elchmutter mit Kalb auf die Straße. In Kanada gelten Zusammenstöße mit Elchen, Cariboos oder anderem Getier als recht häufige Unfallursache.

Nachts sollten man auch an roten Ampeln möglichst nie die äußerste spur benutzen.

Für den Fall eines Überfalls auf das Auto evtl. eine Packung Zigaretten zur schnellen Herausgabe bereitlegen. Auch eine Flasche Wasser oder etwas essbares (Apfel) können ein möglicher Faustpfand sein, mit dem sich ein Gelegenheitsdieb abwimmeln lässt.

In der Stadt bevorzugt die Türen verschlossen halten und auch die Fenster geschlossen. Bei Überlandfahrten die Knöpfe besser oben lassen, das könnte im Falle eines Unfalls die Bergung aus dem Wrack erleichtern.

Verhalten bei Kontrollen:

-Beim Heranfahren an den Posten Radio ausstellen

-Motor nicht ausstellen, Schlüssel stecken lassen

-Sonnenbrille abnehmen und auf die Mittelkonsole legen

-Papiere nicht im Handschuhfach aufbewahren – der Griff dorthin könnte als Griff zu einer versteckten Waffe aufgefasst werden. Das dürfte nicht nur Entspannung der ohnehin leicht nervösen Stimmung beitragen. Papiere auf die Mittelkonsole oder hinter die Sonnenblende klemmen.

-Immer wahrheitsgemäß antworten, nicht unter Stress in Widersprüche verstricken.

-Anweisungen folgen.

-Hände sollten immer sichtbar sein. Fahrer auf das Lenkrad, Beifahrer auf die Knie, Rücksitzmitfahrer auf den Fahrersitz.

-Laaaangsam abschnallen, möglichst so, dass Handflächen immer sichtbar sind. Es ist nicht doof, das vorher schon einmal zu Hause zu üben. Bewegungen ankündigen: „Ich werde mich nun abschnallen, ich habe keine Waffe, die Papiere befinden sich unter der Sonnenblende.“

-Nur eine Person redet und das ist der Fahrer.

-Geld an einem Ort aufbewahren.

-Sollten Kinder bei den Passagieren sein, sollte ein Erwachsener bei ihnen hinten sitzen, um beim Abschnallen zu helfen.

-Bei Dunkelheit Licht im Fahrzeug anschalten, damit die Polizisten besser sehen können, was im Inneren passiert.

-Türe öffnen LASSEN.

-Beim Aussteigen: Handtasche in der Mitte ruhig mitnehmen.

-Langsam aussteigen.

-Rückwärts gehen.

-Niemals in die Augen des Gegenübers schauen, sondern auf den Mund.

Grundsätzlich gilt:

-Anweisungen folgen und Kooperieren.

-Situation erkennen: Ist dies ein typischer Kontrollpunkt. Das ist natürlich schwierig zu erkennen, zumal dann, wenn man noch nicht lange im Land ist. Erinnere mich dabei an eine Kontrolle in Südafrika kurz vor der Grenze zu Swasiland. Soldaten auf der Straße, winken uns heraus. Wiebke sagt: „Gib Gas.“ Hätte ich das getan, vermutlich hätten sie das Auto durchsiebt. Ich dachte mir nur: Toll, ein Mietwagen mit Touristen, das wird sicher teuer. Immer schön freundlich –yes, officer, of course officer, schön devot – kurz drauf fuhren wir weiter.

-Gesundheit geht vor Besitz.

-Schnell denken, langsam bewegen, immer wachsam bleiben.

-Bei einem Unfall: Kurz abwarten, Situation beobachten. Wie reagieren Umstehende? Könnte es ein Hinterhalt sein? Dann weiterfahren und sofort zur nächsten Polizeistation.

Was tun bei Verletzten?

-In Asien: Anders als in Deutschland oder Europa: Nicht anfassen! Denn dann gilt man als verantwortlich, auch wenn man nicht der Verursacher ist (kann sehr teuer werden: Krankenhaus ggf. Rente).

-Hat man das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben? Sonst weiterfahren zur nächsten Polizeistation.

Soviel zum Themaunterwegs mit dem Auto. Demnächst werde ich hier schildern, was bei einer Entführung oder Geiselnahme zu tun ist (laut Experten).