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Mit Familie ins Ausland: Was kommt auf die Kinder zu?

Mit der Familie für ein paar Jahre ins Ausland ziehen und dort arbeiten – davon träumen viele. Aber: Für den Geldverdiener ist der Schritt am leichtesten. Schnell ist er oder sie im Arbeitsalltag eingetaucht. Viel Organisatorisches wird vielleicht sogar von der Firma abgenommen. Aber was ist mit den anderen Familienmitgliedern? Damit die gemeinsame Zeit in der Fremde möglichst für alle ein Gewinn wird, gibt es einiges zu beachten.

Kinder

In welchem Alter befinden sich die Kinder?

Säuglinge

Zu Beginn stellt sich sicher die Frage: In welches Land würde man überhaupt mit Säuglingen umziehen wollen. Säuglinge brauchen eine Menge Dinge, die speziell für sie hergestellt werden. Das beginnt bei der Nahrung (Milch, Gläser) über Hygieneprodukte (Windeln, Seifen, Salben) bis hin zu Möbeln (Hochstuhl, Babybett). Grundsätzlich sollte man sich überlegen, ob man an die Produkte, die man benötigt oder die man benutzen will, im Zielland problemlos rankommt.

Säuglinge sind krankheitsanfälliger als größere Kinder. Sie nehmen meist jeden Infekt mit. Grundsätzlich gilt: Andere Länder, anderer Viren. Besonders gilt das, je weiter das Zielland entfernt liegt. Man sollte also darauf gefasst sein, dass die Kinder im ersten Jahr jeden sich ihnen bietenden Krankheitserreger aufnehmen werden. Nicht gang unwichtig, wenn zum Beispiel der Partner eine gewisse berufliche Nebentätigkeit plant. Wer kein Hauspersonal hat (in manchen Ländern kann man sich das durchaus leisten) wird sich also selbst um das kranke Kind kümmern müssen.

Sicherlich auch gut im Vorfeld herauszufinden ist, wie die medizinische Versorgung generell im Gastland ist. Zieht man in eine große Metropole, dürfte das in den meisten Gegenden der Erde kein Problem sein, zumindest einen Arzt zu finden der Englisch spricht. Manchmal findet man auch einen deutschsprachigen Arzt. In ländlicheren Gebieten in Asien, Afrikas, Mittel- und Südamerikas kann das aber schon ganz anders aussehen. Meist fällt der Grad der Versorgung relativ schnell steil ab.

Bei chronisch kranken Kindern kann das ein Risiko bedeuten, etwa bei der Versorgung mit notwendigen Medikamenten. Das sollte man sich vorher gut überlegen, wie man im Zweifelsfalle wo an Medikamente kommt.

Kleinkinder

Kleinkinder sind zwar schon pflegeleichter, brauchen aber immer noch eine Menge Aufmerksamkeit. Der Bewegungsradius wird größer. Wie steht es da mit Spielplätzen am Zielort? Spielplätze sind keinesfalls überall vorhanden. In manchen weniger entwickelten Ländern gibt es das schlicht nicht.

Gibt es eine Betreuungsinfrastruktur mit Krippen, Kindergärten & Co? Wenn ja: Wie relaistisch ist die Chance, tatsächlich einen Platz zu bekommen? Kennt man ja aus Deutschland. Oder funktioniert dies eher auf individueller Ebene mit Hausmädchen? Bei großen Konzernen sicher kein Problem- auch was die Kosten betrifft. Aber nicht jeder Arbeitgeber zahlt einen Betreuungsplatz bzw. hilft bei der Suche. Bei einem Hausmädchen sollte man überlegen, ob man dies möchte. Ein Hausmädchen ist nah dran an der Familie, sehr präsent. Allerdings sehen sie eher die Aufgabe in der Betreuung. Das kann, je nach Kulturkreis, sehr unterschiedlich interpretiert werden. TV einschalten läuft da auch schon mal unter Betreuung.

Ideal ist sicher ein Expat-Netzwerk vor Ort. Bei Facebook oder in anderen Netzwerken gibt es viele solcher Gruppen, in denen man sich austauschen kann.

Überhaupt: Das Internet. Internet- bzw. Mobiltelefonnutzung ist in manchen Ländern eine komplett andere, als man sie von Deutschland her kennt. Müttergruppen organisieren sich über Whatsapp oder andere Dienste.

Schulkinder

Sind Schulkinder im Spiel sollte auch die Auswahl der Schule in die Entscheidung einfließen. Gut, wenn es vor Ort eine deutsche Schule gibt. In vielen Ländern ist das der Fall. Diese sind jedoch in der Regel als Privatschulen organisiert, kosten also mitunter eine recht ansehnliche Stange Geld. Im Vorfeld darum besser klären, wer die Kosten zahlt. Sind sie im Leistungspaket des Arbeitgebers enthalten? Wenn nicht: Kann man die Gebühren selbst aufbringen, ohne sich zu sehr finanziell einschränken zu müssen oder sich gar finanziell zu verausgaben? In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass in vielen Metropolen die Mieten teilweise deutlich teurer sind also in den Top-Städten Deutschlands. Beispiel: In der Südzone Rio de Janeiros kostet eine Wohnung mit 100 qm Fläche und 2 bis 3 Schlafzimmern schnell 1500 bis 2000 Euro. Kalt. Die Nebenkosten können sehr unterschiedlich sein, je nach Ausstattung der Wohnanlage.

Es gibt Analgen mit Schwimmbädern und kleinen Spielplätzen bzw. Gemeinschaftsflächen („Play“). Diese Infrastruktur wird natürlich über die Nebenkosten mitbezahlt. Das lohnt sich aber durchzurechnen. Denn Sportclubs oder andere Freizeitangebote kosten auch Geld. Jeder Kurs kostet extra. Es gibt auch Clubs, die ein großes Angebot mit Schwimmbad und Sportanlagen vorhalten. Allerdings verlangen die meist eine saftige Aufnahmegebühr oder Mitgliedschaft. Ob sich das rechnet, oder etwas höhere Nebenkosten nicht günstiger kommen, wenn man sich dadurch den Club sparen kann, könnte eine kleine Rechnung wert sein. Zumal man nie sicher sein kann, die Mitgliedschaft später zum selben Preis weiterverkaufen zu können.

Ein wichtiges Kriterium ist auch das Alter der Kinder. Hat man Grundschulkinder, dürfte der Wechsel am einfachsten sein. Teenager haben meist eine Clique, sind fester verwurzelt. Lohnt für sie der Umzug, oder wird es dadurch für sie besonders hart? Kommen sie problemlos in der Schule mit? Wie sieht der Rückeintritt in die Schule in Deutschland aus, wenn die Auslandszeit vorüber ist? Diese Fragen sind einige, die es zu klären gilt. Sicher kann man diese auch vorab mit einer Schule im Zielland und der Schule in Deutschland geklärt werden. Sollte es auch! Denn oft tun sich kleine bürokratische Klippen auf, die zu einem späteren Zeitpunkt große Folgen haben können (Anerkennung von Schulleistungen, Fremdsprachenkenntnisse etc.). Besonders, wenn der Rückeintritt in die gymnasiale Oberstufe fallen sollte, sollte man das Szenario vorab schon einmal detailliert durchspielen.

Teenager ziehen oft alleine los, treffen Freude, gehen zu Partys. Wäre das auch im Zielland ohne weiteres möglich, oder gelten dort andere Sicherheitslagen? Grundsätzlich sollten man davon ausgehen, dass man die Kinder, egal wie alt, relativ häufig bringen und abholen muss, freies Bewegen eher die Ausnahme ist, oder erst nach einer gewissen Eingewöhnung möglich ist.