Mit Wer wird Millionär ein Jahr um die Welt

Mal angenommen, Ihr würdet bei Günther Jauchs Wer wird Millionär eine halbe Million Euro gewinnen – was würdet Ihr damit machen? Die Hamburger Journalistin Meike Winnenmuth beschloss noch in der Sendung, eine einjährige Weltreise zu unternehmen, jeden Monat eine andere Stadt. Herausgekommen ist dabei das kurzweilige Buch „Das große Los“.

Auch wenn der euphorische Grundton des Buchs bisweilen etwas auf den Keks gehen kann („unfassbares Glück“ oder „ich bin so heftig verknallt in diese Stadt“ (über San Francisco)), ist es doch gelungen. Nicht nur wegen seiner zwar naheliegenden aber originell umgesetzten Briefform, auch die Auswahl der bereisten Städte und die offene Introspektive machen „Das große Los“ zu einem lesenswerten Reiseroman.

Fast schon wertvoll wird das Buch aber durch seine klugen Einsichten, die Winnemuth im Laufe der Reise herausarbeitet und die die zu 100 Prozent unterschreiben kann und die durch Bank zum Einstiegssatz eines Romans oder zumindest einer Reportage taugen.

Eine Auswahl:

 

„Der Weg entsteht beim Gehen.“

„Tu, was Dir gefällt und Du wirst dabei auf Menschen treffen, die Dir gefallen.“

„Ich fühle mich wie von der Leine gelassen.“

„Man muss regelrecht trainieren, freihändig zu gehen.“

„Ich habe keine Karriere, ich habe ein Leben.“

„Wie will ich leben? Es sollte nur eine Reise sein, aber inzwischen ist es eine Expedition zu den Fundamenten meiner Existenz.“

„Früher was alles besser? Nein, Morgen wird alles besser. Denn dafür kann man sorgen, das hat man in der Hand. Es sei denn, man ist so blöd, lieber das bekannte Unglück als das unbekannte Glück zu wählen.“

„Reisen bedeutet eine Abfolge von ‚Ich hätte nie gedacht, dass ich mal‘ Momenten – Situationen, die man nicht planen kann, weil man vorher nicht im Traum darauf käme.“

„Wie kann man sich als Gefangener des eigenen Lebens fühlen, wenn man den Schlüssel zu einem anderen doch selbst in der Hand hat? Zu einem Leben, das gleich nebenan liegt, das weder Anstrengung noch Geld, noch Abschied von dem erfordert, was man liebt?“

Von Sätzen dieser Qualität ist Winnemuths Buch wirklich voll. Schon alleine deshalb lohnt die Lektüre. Wem das nun zu esotherisch klingt- nun, da weiß ich auch nicht weiter. Ich werde mich jetzt jedenfalls mit einem Bier in den Garten setzen und über den einen oder anderen der Sätze nachdenken. Ich glaube, das lohnt sich.