Das Accra-Abenteuer: Tobi, Claudi und Luna brechen auf

Bei uns laufen noch die Vorbereitungen für das Rio-Abenteuer. Unsere Freunde Tobi, Claudi und Luna sind schon weg. Im Auftrag der GIZ sind sie Anfang Mai nach Accra in Ghana gezogen. Claudi hatte ich vor der Abreise das Buch „Damenprogramm“ von Michael Hasenpusch zur Lektüre in die Hand gedrückt. Nur soviel: Auch ihn verschlug es mit seiner Frau nach Accra (Besprechung folgt).

Die drei kennen wir aus gemeinsamen Kinderkrippentagen. Luna ging mit Ella und Edgar gemeinsam in die Krippe – das ist jetzt gut 4 Jahre her. Ihr Heim in Rödelheim haben sie nun für ein Anwesen in Accra getauscht. Sie werden hier an dieser Stelle immer wieder mal über ihre Erlebnisse berichten. Vorhang auf für den ersten Teil!

Luna und Tobi mit neuem Auto

Tobi und Luna mit dem neuen Auto.

Die letzte Nacht in Deutschland dürfen wir in Frankfurt Ginnheim verbringen (Danke, Martin und Tini) und starten von dort am Vormittag des 3. Mai 2015 mit sechs riesengroßen Koffern plus zwei Trollis, einer Arbeitstasche, zwei Rucksäcken und ca. zehn Kuscheltieren zum Flughafen. Zum Glück sitzt am Check-In-Schalter eine Dame, die – dank Tobis Charme-Offensive – das Übergepäck von ca. 50 kg ignoriert…;-)

Am Abend kommen wir in Accra an und müssen nach dem ersten „Sauna-Feeling-Schock“  ein Taxi finden, in das all unser Gepäck passt. Viele wild durcheinander quasselnde Ghanaer sind uns sehr behilflich ein solches Auto aufzutreiben und nachdem Tobi den Preis noch um ein vielfaches runtergehandelt hat, geht es los in unser neues Zuhause. Dort angekommen müssen wir zunächst im Dunkeln die Taschenlampen finden, da wir keinen Strom haben. Wir richteten uns mit Isomatten für die erste Nacht ein, in der ich kein Auge zu bekomme…

Ich erfahre, dass es zurzeit eine ernste Stromkrise in Accra gibt. Die Regierung stellt den Strom für 24 Stunden ab, dann wieder für 12 Stunden an. Daher haben alle, die es sich leisten können, einen Stromgenerator in ihrem Garten. Ratet mal, welches Haus nicht?! Aufgrund dessen verschlechtert sich meine Laune zusehends – ich möchte so schnell wie möglich einen Generator! Gut und schlecht zugleich ist dabei die Tatsache, dass die GIZ für die Anschaffung unseres Generators verantwortlich ist: Gut, denn so müssen wir den Spaß nicht selbst bezahlen. Schlecht, da die super korrekte GIZ zunächst einmal den Auftrag öffentlich ausschreiben muss.

Erste Tage ohne Kühlschrank und Aircon

Somit ist klar: das kann dauern. Auch klar ist, dass ich mit Luna in einem leeren und irre heißen Haus ohne Kühlschrank, Kühlung (AC) oder Licht sitzen würden, während Tobi wenigstens tagsüber im Büro ist. Ihr wollt Euch meine Laune nicht vorstellen!!! Aber wir haben Glück, schon bald lernen wir die netten Niederländer von nebenan kennen, die großes Mitleid mit uns haben. Sie helfen uns mit einem Verlängerungskabel, einer Kabeltrommel mit 4 Steckern, einer Lampe, einem Tisch mit 3 Stühlen und einer Kühlbox mit kaltem Bier aus. Somit kann ich den Kühlschrank anschließen, habe eine Möglichkeit mein Handy zu laden und Licht für abends…

In den nächsten Tagen lernte ich noch mehr Leute auf unserem Compound kennen. Hier gibt es 20 Häuser, die rechts und links einer Straße angeordnet sind, welche am Ende zu einem Spielplatz mit Pool führt. Sehr sehr schön J Hier leben einige Niederländer, Kanadier, Ghanaer, Amerikaner (irgendeine christliche Mission) und eine äthiopische Familie. Manche haben uns in den ersten 2 Wochen hin und wieder zum Essen eingeladen, weil sie wussten, dass wir noch auf unseren Container warten. Also, mit Nachbarn haben wir immer großes Glück!!!

Am 15. Mau kommt die Nachricht, dass der Container da ist! Wahnsinn!!! Das ging echt schnell. Ich habe hier schon Geschichten von Leuten gehört, die Monate gewartet haben. Tobi geht an diesem Tag früh los, um am Hafen bei der Verladung des Containers in einen Lkw dabei zu sein. Bei Anbruch der Dämmerung ist es dann soweit: Der Lkw steht vor der Einfahrt des Compounds. Das wars dann aber auch. Er steht da und kommt nicht rein – das Ding ist zu hoch! Tobi steht neben dem Lkw mit hochrotem Kopf und weiß auch nicht so recht, was jetzt passiert. Der Chef der Spedition ist noch nicht da. Ich bitte darum, dass die Männer schon mal mit Ausladen anfangen, bevor es dunkel wird.

Nette Nachbarn aus den Niederlanden

Wir haben wieder (oder noch immer) keinen Strom und das würde schwierig werden, aber man sagt mir, dass man nun auf einen kleinen Lkw wartet. Man würde dann alles auf den kleinen Lkw verladen und dann alles in unsere Hauseinfahrt fahren, um es dann auszuladen. Ich versuche zu diskutieren, aber Tobi hat die Nase voll und schickt mich weg. Ok, ich warte. Nach ca. 1 Stunde, mittlerweile ist es schon etwas dunkler, beginnen die Männer den großen LKW von der Straße auszuladen. Der kleine Lkw ist nicht gekommen. Wir schuften bis es richtig dunkel ist…Vergleichen alles mit der Packliste und achten darauf dass nichts kaputt geht. Die netten Niederländer beschäftigen Luna mit „König der Löwen“ und bringen uns Abendessen – ich glaube ich mag Niederländer!!!

Die nächsten Wochen verbringe ich viel Zeit damit, die Mängel im Haus zu beheben, das Haus zu reinigen und Unterstützung für Garten- und Hausarbeit zu finden. Hier ein paar ausgewählte Schmankerl:

– Der schweißnasse „Elektriker“ (barfuß), der an den Steckdosen rumschraubt, während der Strom an ist. Ich weise ihn darauf hin, dass er besser den Strom abstellen sollte, aber er sagt, er habe alles im Griff. Im nächsten Moment knallt es und der Typ liegt in meiner Abstellkammer….Sorry, Sorry….

– Der Gärtner, der morgens um 6:30 Uhr vor meinem Küchenfenster steht, die Machete in der Hand hält und immer wieder sagt „ohh, ohh, ohh“. Nachdem ich ihn frage, was denn los sei, erklärt er mir, dass er beim „Rasenmähen“ die Wasserleitung getroffen hat. Er fragt, ob er mal kurz an meinen Gasherd in die Küche kommen darf. Am Feuer könnte er das Rohr wieder reparieren. Ich bin gespannt und lasse ihn rein. Er hat irgendwo andere Rohrteile aufgetrieben und versucht sie nun zu erwärmen, um sie dann ineinander zu stecken. In dem Moment betritt Tobi die Küche und mehr muss ich nicht sagen …

– Der Typ, der mit Schutzkleidung vor meinem OFFENEN Fenster steht, mir einen guten Tag wünscht und dann eine Wolke von Insektiziden losspüht…

– Der „Elektriker“, der einen fehlenden Regler von unserem Herd anbringen soll. Er hat einen neuen mitgebracht, der leider nicht passt. Er sagt, er könne das Problem auch so lösen und schraubt den funktionierenden Regler der linken Herdplatte ab, befestigt ihn dort, wo vorher kein Regler war und schaut dann ganz doof, weil ja noch immer einer fehlt!!!!! Das Ende vom Lied, er verspricht mir morgen wieder zu kommen. Seit dem warte ich…..

– Der Hausverwalter, den ich bitte mir Fernbedienungen für die AirCons in unserem Haus mit zu bringen (es gibt in jedem Raum eine Klimaanlage, aber nur ein paar Fernbedienungen für das ganze Haus). Auf einmal ist er da – natürlich ohne Fernbedienungen. Er sagt, er müsse sich das alles erst mal ansehen. Er rennt mit diversen Fernbedienungen durchs Haus und sagt dann: „2 Fernbedienungen gehen doch. Die können Sie ja immer mitnehmen“….Aaaarrrggg

– Die Putzfrau, die bei meiner Rückkehr vom Einkaufen, gemütlich neben unsrem Schrank sitzt und sich die privaten Bilder und Fotoalben anschaut. Sie sagt, sie hat nichts mehr zu tun…da war ihr langweilig. Nachdem ich ihr die Bedeutung von Privatsphäre und Eigentum erklärt habe, dampft sie beleidigt mit den Worten ab „In Ghana machen wir Bilder und Fotoalben, damit es andere sehen können!“  Aha, denke ich mir!

Ich habe noch viele viele solcher Geschichten auf Lager…Aber die hebe ich mir einfach auf. Unser Häuschen sieht schon ganz nett aus. Es stehen zwar noch immer einige Kisten rum, aber das Wichtigste und der Großteil sind geschafft. Zumindest haben wir alle drei das Gefühl, dass aus dem leeren und irre heißen Haus ein gemütliches Zuhause geworden ist. Übrigens, einen Generator haben wir nun auch!!! Und er funktioniert!!! Die Geschichte hierzu kommt in der nächsten Mail…;-)

Luna und ich gehen 2 mal die Woche in ihren Kindergarten, damit sie schneller Englisch lernt und auch schneller Anschluss findet. Sie macht das super, vermisst aber auch Deutschland mit Euch allen und ohne Moskitos, dafür mit Strom ;-)…