Wichtige Ausrüstungsgegenstände – Ode an meine Fleecejacke

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Für jeden Spaß zu haben, die Jacke (rechts).

Sehe ich Dich, wird mir warm ums Herz, nicht im Winter – auch und gerade weil Du inzwischen in die Jahre gekommen bist. Du wärmst und verdeckst. Du verhüllst. Du erträgst es, als Kopfkissen zweckentfremdet zu werden und bist einer meiner ältesten und treuesten Reisebegleiter: Meine Fleecejacke.

Ich mag es, wenn sich der Rauch des Lagerfeuers in Dir verfängt und mich noch Tage danach an einen wunderbaren Abend unter freiem Himmel erinnerst. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft kann ich auf Dich zählen.

Du bist praktisch, Du bist leicht und Du kannst auch mal wochenlang ohne eine Wäsche auskommen, denn Du bist schwarz. Aber Du bist nicht perfekt, man kann Deine Taschen nicht mit einem Reißverschluss verschließen. Aber wer ist schon perfekt? Ich bin es jedenfalls nicht.

Nach mehr als zehn Jahren siehst Du immer noch spitze aus, fast wie am ersten Tag. Ich wünschte, ich könnte das von mir auch behaupten. Mein kariertes Reisehemd ruht irgendwo in Indien, meine Leinenhose war am Ende nicht mehr wiederzubeleben, beim Springbocks-Trikot (Weltmeisteredition 95) erhält sein Gnadenbrot in meinem Kleiderschrank. Du bist immer noch da, hast alle überlebt.

Unsere erste gemeinsame Reise führte uns nach Südafrika. Ich erinnere mich noch genau, als ich im Bordmonitor den Landeanflug verfolgte. Die Sanddünen, die wir überflogen, hielt ich für Schnee. Schließlich war es November. Und ich fragte mich, ob Du mir in dieser unwirtlichen Gegend genug Wärme würdest spenden können. Wir landeten im Frühjahr, bei 27 Grad. Ich war ein naives Greenhorn, aber Du hast mich nicht ausgelacht.

Auch wenn man an zwei Meilen gegen den Wind als uncoole europäische Touristen identifiziert. Ich stehe zu Dir.

Denn ich brauche Dich. Weißt Du noch? Die Nächte auf der Nieuwoudt-Farm in den Cedarbergen waren frisch, die Bettwäsche dünn. Einen Schlafsack hatten wir nicht. Aber Dich. Du bewahrtest mich vor einer todsicheren Erkältung. Denke, es ist Zeit, einmal Danke zu sagen.

Drei Mal reisten wir nach Südafrika – Du lerntest Siggi und ihren Hund, das alte Pupskissen Jason, in Knysna kennen, gingst mit mir in Stellenbosch auf Weintour; Du warst hautnah dabei, als wir im Krügerpark beinahe von einer aufgebrachten Rhino-Mama über den Haufen gerannt worden wären. Es wäre ein seltenes Schauspiel gewesen, denn es war eine Spitzmaulnashorn-Mama. In der Kalahari-Wüste spürten und erlebten wir die Weite der Savanne. Auf dem Sani-Pass in Lesotho sahen wir auf halsbrecherischer Fahrt hinauf in den Schlund des Abgrunds, um oben gemeinsam bei Null Grad der Kälte zu trotzen.

Wir waren viel unterwegs – in Thailand, Malaysia, Kanada. Im Schwarzwald, an der Ostsee, im Bayrischen Wald und im Taunus. Gott sei dank bin ich kein Banker oder Anwalt – so konnte ich Dich sogar auf der Arbeit tragen. Und niemand lehrte mich die endlosen Wartezeiten am Bahnhof mit so viel Haltung zu ertragen wie Du. Selbst wenn der Wind pfiff oder es regnete.

Du trocknest schnell, denn Du bist aus einer Kunstfaser. So wie jede Fleecejacke. Hightech aus Erdöl vermute ich. Meinem grünen Gewissen ist bei dem Gedanken daran nicht wohl. Wie kann etwas, das Menschen die die Natur lieben so gerne tragen, aus dem zerstörerischsten Stoff der Mneschheitsgeschichte gemacht sein? Werde ich Dich überhaupt recyclen können? Ich fürchte nicht. Dann trage ich Dich halt immer weiter und weiter.