Über den Wolken – Mit Kleinkindern im Flugzeug

Obwohl erst gut fünf Jahre alt, sind unsere Kinder schon kleine Flugprofis. Erstmals über den Wolken bewegten sie sich mit knapp vier Monaten von Frankfurt nach London. Was für Erwachsene alleine Routine ist, ist für Eltern von Säuglingen das vielleicht letzte große Abenteuer der Menschheit. Mehr als acht Stunden brauchten wir von Haustüre (Frankfurt) zu Haustüre (London).

Dabei ist der Flug das geringste Problem. Im Flugzeug erhalten die Kinder einen Sicherheitsgurt, der am Gurt der Eltern befestigt wird. Die Reise über sitzen sie auf dem Schoß. Selbst das Wickeln geht auf der engen Bordtoilette relativ problemlos.

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Viele Flughäfen haben Wickelräume die sehr brauchbar sind.

Die große Herausforderung war eher die Logistik. Wir nahmen den Kinderwagen mit, denn die Liegeschalen dienten am Zielort zugleich als Bett.

Unser Flug ging am Nachmittag. Kinder von vier Monaten benötigen etwa alle vier Stunden Nahrung. Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir die Kinder kurz vor Start füttern würden, dann vor dem Boarding, dann am Flughafen Heathrow, ehe wir mit dem Skytrain nach Paddington Station aufbrechen würden. Da man nicht weiß, ob Möglichkeit zum Spülen der Flaschen besteht, packten wir vier frische Flaschen ein, zusätzlich zwei Ersatzflaschen. Das Milchpulver hatten wir vorportioniert, vorsichtshalber eine Thermoskanne heißes Wasser und eine Flasche kaltes Wasser eingepackt – zum Mischen für die richtige Trinktemperatur. Dumm nur: Volle Thermoskannen interessieren beim Sicherheitscheck niemanden. Also: ausleeren. Kaltes Wasser bekommt man hinterher am Gate (nicht in jedem Land trinkbar) auf der Toilette. Heißes Wasser besorgen einem aber die Flugbegleiter gerne.

Außerdem dabei: Wickelrucksack mit Windeln, Cremes, Wickelunterlage (stellte sich als Überflüssig heraus, aber man weiß ja nie), Feuchttücher, Lappen und was man sonst so einpackt. Zuzüglich unseres normalen Gepäcks also ein ordentliches Volumen für einen Kurztrip.

Wenn man in einer solchen Situation eines nicht gebrauchen kann, dann ist das Zeitdruck. Darum Regel Nummer 1: Immer genügend Zeit einrechnen. Genügend heißt in diesem Fall: Ausreichend Zeit, um gegebenenfalls eine Flasche verfüttern zu können und einen Wickelstopp zu absolvieren. Zudem, wie in London, Zeit, die Kinder von normalen in die Schlafklamotten umzuziehen (könnte man auch weglassen) und bettfertig zu machen. Zudem sollte man realistisch genug sein zu akzeptieren, dass man natürlich den Flieger erst dann verlässt, wenn alle anderen schon raus sind. Familien genießen „Priority Boarding„, dürfen als erste an Bord,weil sie einfach mehr Zeit benötigen. Mit dem Kinderwagen durften wir bis ans Gate, dann wurde das Fahrgestell verstaut.

Um den Druckausgleich in den Ohren muss man sich eigentlich kaum Sorgen machen, da die Babys ihren Schnuller dabei hatten und somit durch das Saugen immer Druckausgleich hergestellt wird. Bei älteren Kindern tun es dafür Kaugummis oder ein Schluck zu trinken. Aber: darauf achten, dass das Kind während Starts und Landungen nicht schläft, dann kann nämlich kein Druckausgleich erfolgen.

Man kann natürlich für die Kinder spezielle Ohrstöpsel kaufen, die beim Druckausgleich helfen, indem sie den benötigten Zeitraum für den Druckausgleich verlängern, sogenannte „Sanohra Fly“ Stöpsel (Kosten: um die 10 Euro das Paar, in der Apotheke). Wichtig: Diese müssen jedoch 45 Minuten vor dem Start und der Landung eingesetzt werden. Der Medizinische Beleg für die Wirksamkeit ist nicht zweifelsfrei belegt bislang.

Weitere Tipps für das Fliegen mit Kindern:

Beschäftigung einpacken: Kleines Malbuch, Stifte, kleine (Pixi-)Bücher o.ä. Bei längeren Flügen mit Bordprogramm Kopfhörer nicht vergessen (bei Condor ist die Programmauswahl jedoch ziemlich limitiert, darum sollte man darauf nicht bauen).

Nackenkissen mitnehmen zum Schlafen. Kinder haben es gerne gemütlich. Und wer schläft, dem kann nicht langweilig werden.

An sich kommen die Kinder mit den normalen Sitzen prima zurecht. Manche Eltern bevorzugen auch richtige Kindersitze wie im Auto. Kann man machen, wenn man beispielsweise am Zielort ohnehin ein Auto mietet und einen solchen Sitz bräuchte. Kann man aber auch gut vor Ort gegen geringen Aufpreis (50-120 Euro je nach Autovermietung) mitmieten. Aber: nur wenige Autositze sind auch im Flieger überhaupt zugelassen. Beim Kauf auf das TÜV-Siegel „for use in aircraft“ achten.