Freshlygrounds Nomvula legte am Kap den Schalter um

nomvula-515x515Es gibt Gegenstände, die entfalten eine besondere Dynamik, wenn sie sich erst einmal in persönlichem Besitz befinden. Einer dieser Gegenstände ist die CD „Nomvula“ der südafrikanischen Band Freshlyground.

Es war im Jahr 2004. Mit Wiebke, damals noch meine Freundin, war ich zu unserer ersten großen gemeinsamen Reise nach Südafrika aufgebrochen. Unser Ziel: die Gardenroute, ganz klassisch. Außerdem wollten wir noch Silke besuchen. Mit Silke hatte ich gemeinsam in Bonn Englisch und Geografie studiert. Auf ihrer ersten Reise ans Kap hatte sie sich in den Reiseführer, Philip, verguckt. Einige Monate später hatte sie die Koffer gepackt und nach Südafrika gegangen.

Sie saß gerade in einem kleinen Schmucklädchen in Simon’s Town, als wir mit unserem staubigen weißen VW Chico fielen. Simon und Philip betrieben dort das örtliche Backpackers (inzwischen toll renoviert!). Backpacker sind Budgetunterkünfte vergleichbar mit Hostels. Von sehr unterschiedlicher Qualität, aber wir haben überwiegend gute Erfahrungen gemacht, dafür wirklich meist auch unschlagbar billig.

Gegen Ende unserer Tour wollten wir nach so viel Natur eben auch langsam wieder zurück in die Zivilisation finden. Wir schauten uns Kapstadt an. Jeder Tourist landet dort früher oder später an der V&A Waterfront. V&A steht für Victoria & Albert, eine Reminiszenz an eine der Kolonialmächte, die ihre Spuren hinterlassen hatten. Von der Waterfront starten die Fähren nach Robben Island. Jene Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela (und viele andere schwarze Freiheitskämpfer) knapp 28 Jahre von der weißen Apartheidsregierung in politischer Gefangenschaft gehalten worden war.

39748_443097936973_1895682_nAn jener Waterfront steht ein alter hölzerner Lagerschuppen. Darin: Einer der bestsortiertesten CD-Läden, den ich je irgendwo auf diesem Planeten gesehen habe, das Warehouse . Inzwischen muss man stand sagen, wie die Recherche ergab). Ich hätte tagelang darin verbringen können. Stapelweise schleppte ich die CDs an den Counter, um in Ruhe hineinhören zu können. Ich griff beinahe wahllos zu – die Auswahl an südafrikanischer Musik war riesig, ichkannte so gut wie keinen der Künstler und man konnte dennoch fast nicht danebengreifen. Ob Alternative Rock oder Cape Jazz – ich war fasziniert. Eine ganze Weile später war meine Favoritenliste auf zwei CDs zusammengeschrumpft: Africentric des in Mosambik geborenen Jazz-Gitarristen Jimmy Dludlu (inzwischen habe ich vier oder fünf CDs von ihm) und Numvula. Die Band Freshlyground war noch jung, füllte aber bereits Stadien und hatte in Südafrika schnell Platinstatus erreicht (dort 50.000 verkaufte Spieler).

Die Band ist bunt zusammengewürfelt, spiegelt auch so ein wenig das Wesen der Regenbogennation wider: Schwarze Musiker, weiße und Farbige die soleichtfüßig klassische afrikanische Folkelemente mit Pop und Urban-Sounds vermischen und so ihren faszinierend fröhlichen Afropop kreieren.

Bis dato hatte ich mich nie sonderlich für Weltmusik interessiert, war ich doch musikalisch mit der klassisch britischen Schule der Who, Jam, Kinks, Smiths und später Oasis, Blur, Pulp & Co.sozialisiert worden. Meine Götter hießen bis dahin Paul Weller und Keith Moon, Morrissey oder Johnny Marr; doch der so gleichermaßen leichtfüßige wie kraftvolle und positive Sound von Freshlyground legte in mir irgendwie einen Schalter um.

Von da an tat sich ein ganz neuer Kosmos auf: Afropop, Cape Jazz, Weltmusik – plötzlich entdeckte ich Musiker wie Abdullah Ibrahim, Angelique Kidjo oder Basil Coetzee – Wahnsinn!

Freshlygrond stieß für mich die Tür in die Welt der Weltmusik ganz weit auf, und hätte ich nicht diese CD damals entdeckt, hätte ich höchstwahrscheinlich niemals das Insight Worldmusic Magazine gegründet. Ginge es nach mir, wäre das Stück „Doo-be-do“ die Hymne der Welt.

Als ich ein paar Stunden später Silke die CD stolz unter die Nase hielt sagte sie nur: „Oh, die sind hier gerade ziemlich angesagt!“