Im Ausland leben – Gerne, aber wie?

Läuft man nicht in ein Reisebüro und bucht nach einer halben Stunde pauschal, hat man mehr von der Reise. Die Vorbereitungen unserer zweiten Reise nach Kanada dauerte 9 Monate. Sie brachte uns durch den trüben November und die Kälte des Januars. Sie verjagte den Winter und machte den Frühling – meine persönliche Lieblingsjahreszeit – gemischt mit der wachsenden Vorfreude doppelt so schön. Und auch drei Monate danach denke ich oft an die tolle Tour, schalte das Kopfkino ein und träume mich auf den Cabot Trail oder die Abende am Lagerfeuer.

Es mag kurz nach der Rückkehr gewesen sein, als uns der Gedanke kam, ob es nicht der richtige Zeitpunkt sei, für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Einfach so. Sicher, befeuert von Fernweh- und Herbstblues – aber eigentlich ganz tief aus uns herauskommend.

Wiebke arbeitet als Lehrerin. Was läge näher, als es an einer deutschen Schule zu versuchen? Es gibt etliche deutsche oder deutschsprachige Schulen überall auf der Welt. Das dürfte für uns der leichteste Weg sein. Auch, weil mein Beruf, ich bin Journalist, momentan in Deutschland eine erbärmliche Figur abgibt. Dann ins Ausland wechseln und eine Familie ernähren? Vergiss es! Das mag als Zuverdiener gehen, auf freiberuflicher Basis, aber nicht als Hauptjob. Das war einmal. Aber eines steht damit auch fest: Beruflich verpasse ich in Deutschland in den nächsten drei Jahren nichts. Wenn alles läuft wie derzeit, gibt es dann noch ein paar weniger Zeitungen mit deutlich weniger Redakteuren.

Das Ausland könnte da also eine Chance sein. Eine Chance, um Abstand zu gewinnen, von den letztlich doch sehr ausgelatschten Printwegen, auf denen ich meine ersten professionellen Schritte unternommen hatte. Abstand von einer Denke, die Andy Walther aus Bremberg, ein Bekannter und bekennender Verfechter des digitalen Publizierens gerne als Holzdenke beschreibt. Wie dem auch sei. Für mich bedeutet Ausland natürlich auch Neuland. Zunächst die Sprache. Mein Französisch ist bescheiden. So bescheiden, dass ich im Normalfall und ohne Alkoholzugabe die Existenz bevorzugt leugne.