Mit dem Wohnmobil unterwegs – Nova Scotia und PEI

P1020979Wer als Familie an die Schulferien gebunden ist, weiß: Will man verreisen, ist immer teure Hauptsaison. 2014 ging es und im Sommer nicht anders. Sämtliche Urlaubsideen von Dänemark über Planwagenfahrt in Frankreich bis Teneriffa oder Corfu scheiterten schließlich an den Kosten. Also genauer an den Kosten, die wir bereit waren für einen, aus unserer Sicht Urlaub an einer B- oder gar C-Destinationen zu verbringen. Wenn schon Geld in die Hand nehmen, und das muss man in jedem Fall, dann auch für etwas Vernünftigen. Für 4.500 Euro zwei Wochen AI auf Kreta, nein danke! Also drehten wir den Spieß um. Wir schauten, wohin wir in dieser Zeit einen günstigen Flug bekommen konnten. Um diesen Ort herum würden wir unsere Urlaubsplanung basteln. Wir fanden: Eine Condor-Verbindung nach Halifax.

Halifax ist die Hauptstadt der ostkanadischen Provinz Nova Scotia, gemeinsam mit Prince Edward Island (PEI), Teilen von New Brunswick und Labrador als Maritimes bezeichnet werden. Mit Kanada hatten wir bereits im Vorjahr super Erfahrungen gemacht, als wir mit dem Wohnmobil ganz im Westen über Vancouver Island gefahren waren. Darum gefiel uns die Idee prompt. Nova Scotia und PEI sind von der Größe überschaubar. Dort würden wir eine Route planen können, bei der wir nicht übertrieben viel Zeit auf dem Highway verbringen würden. Schließlich waren die Kinder erst knapp 5 Jahre alt und brauchen regelmäßig viel Auslauf. Zudem erschien uns die Gegend sehr abwechslungsreich – das passte also alles.

Wohnmobil: ideal für Familien

Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, in Kanada zu reisen. Wir haben für uns das Wohnmobil entdeckt. Zum einem sind die Teile, wir hatten ein 26-feet-Gefährt, recht geräumig mit viel Schlafplatz für alle. Zum anderen räumt man einfach alles einmal ein und hat dann drei Wochen Ruhe. Alles hat seinen Platz, denn der Stauraum ist in aller Regel recht üppig. Auch unerfahrene Wohnmobil-Fahrer brauchen keine Angst haben: Die V10-Gefährte sind gut zu steuern, mit etwas Training und dem Beifahrer als Einweiser auf dem Campground auch rückwärts. Zudem sind die Campgrounds generell großzügig angelegt. Wer nicht rückwärts fahren will, muss das auch nicht zwingend tun.

Es gibt diverse Anbieter, wie man sich sein Reisepaket zusammenstellen kann. Canadream oder Frazerway gehören zu den großen Vermietern, die in fast allen größeren Städten –und in der Nähe der internationalen Flughäfen – Verleihstationen betreiben. Preisunterschiede ergeben sich in der Regel aus dem Alter der Wohnmobilflotte. Frazerway hat da die neuesten Modelle, bei Canadream sind die Wohnmobile etwas älter, technisch jedoch durch die Bank gut gepflegt, gewartet und einwandfrei. Hier muss man keine Befürchtungen in Sachen Sicherheit haben.

Individuell planen oder Reiseanbieter?

Es gibt aber auch Reiseanbieter, die einem die Suche und Planung weitgehend abnehmen. Canusa ist ein solches. Der Vorteil hierbei: als großer Anbieter bekommt Canusa bei Vermietern und Airlines entsprechende Rabatte. Im Falle des Wohnmobils machte es bei zwei Reisen für uns keinen Sinn, selbst einen Vermieter zu suchen. Wir zahlten für je 15 Nächte rund 160 CND pro Tag (der Euro war damals noch stärker, lag teilweise bei 1,38 CND). Im Preis enthalten das volle Paket also Bettwäsche und Handtücher (bei Individualbuchung kostet das extra), Campingausstattung (Geschirr, Klappstühle), Karten, Tankgutschein (100 CND) und sonstige Leistungen. Wie man uns an der Frazerway Verleihstation in Halifax sagte, hätte unser Wohnmobil bei privater Buchung rund 200 CND gekostet pro Tag, zuzüglich der Ausstattungspakete.

Tipp: rechtzeitig Buchen. Wir haben jeweils schon am Jahresende des Vorjahres gebucht. Vorteil: Canusa gewährt eine Art Frühbucherrabat, von dem man auch noch profitiert, wenn man eine Reiseversicherung noch draufrechnet. Außerdem sind zu einem frühen Zeitpunkt auch noch alle Fahrzeugtypen ausreichend verfügbar. Bucht mach zu spät, kann es einem gehen, wie der dreiköpfigen holländischen Familie, der wir in der Nähe von Peggy’s Cove begegneten. Sie hatten nur noch ein 32-feet-Wohnmobil mieten können – ein richtig langes und unhandliches Teil. Dafür natürlich mit viel Platz. Sie konnten sich im Innern bestimmt tagelang aus dem Weg gehen.

Die von uns recherchierten Flugkonditionen von Condor überraschten aber selbst die Canusa-Mitarbeiter, die diese jedoch in das Angebot einbinden konnten. Überhaupt ist Canusa in diesem Punkt sehr flexibel und geht auf die Wünsche ein. Man muss sich auch sonst um wenig kümmern.

Transfer und Übernahme

P1030386Da man in der Regel eine längere Strecke fliegt, dürfen Wohnmobile erst am Folgetag der Ankunft übernommen werden, eine Regelung, die Sinn macht. Denn gerade am Anfang sollte man für das doch zunächst recht ungewohnte Fahren alle Sinne beisammen haben und ausgeschlafen sein, damit das Abenteuer nicht unsanft endet. Deshalb beginnt jede Kanadareise mit einer Nacht im Hotel. Diese Übernachtung wird von Canusa gleich mitgebucht, inklusives des Transfers zum Hotel und zum Verleiher. Ein angenehmer Service der einfach Nerven spart.

Die Vermietung läuft übrigens sehr unkompliziert. Anders als in vielen südeuropäischen Urlaubsdestinationen (vor allem den Pauschalhochburgen), wo man bei der Fahrzeugübernahme extrem wachsam bleiben muss, ist man dort sehr kulant. Klar, man läuft das Fahrzeug vorher gemeinsam ab, stellt die Mängel fest. Aber es hat sich als unproblematisch erwiesen, wenn man vor lauter Aufregung dann doch etwas übersehen hatte, oder einem unterwegs noch etwas aufgefallen war. Das wurde am Ende protokolliert und fertig.

Bei der Übergabe erhält man zudem eine intensive Einweisung, die schon mal 45 Minuten dauern kann. Bei uns war diese immer auf Deutsch. Denn auch wenn man gut Englisch spricht, bei technischen Feinheiten (z.B. Propangasanschluss) ist das dann doch von Vorteil. Alle Vermieterstationen an denen wir waren, hatten deutsche Studenten (Work and travel) vorOrt, die geduldig und kompetent alle Fragen beantworten konnten. Die Übergabe und Rücknahme findet bis 11 Uhr vormittags statt. Bei Reisebeginn hat man so noch einem halben Tag Fahrzeit, um Kilometer zu machen. Denn die meisten wird es schon jucken, endlich die Wildnis erkunden zu können. Bei der Rückgabe sollte man beachten, dass der letzte Campingplatz nicht allzu weit von der Rückgabestation entfernt liegt. Denn Packen, durchkehren, Tanken, Dumpen, Wassertank füllen kosten ebenfalls Zeit.

Handling des Wohnmobils

So ein Wohnmobil ist schon etwas anderes als ein normaler Pkw. In den meisten Fällen handelt es sich um Automatikfahrzeuge. Das ist auch sehr zu empfehlen, denn sonst schaltet man sich in den Bergen einen Wolf. Außerdem ist so das rückwärtige Anfahren in leichten Gefällen wesentlich angenehmer, denn da rollt nichts vor.

Der zweite Außenspiegel macht Sinn – nutze ihn. Denn der Innenspiegel fällt für den Blick nach hinten aus.

Anschlüsse: Jedes Wohnmobil hat Stromanschluss, Wasseranschluss und einen Brauchwasserbehälter. Alle diese Anschlüsse sind innerhalb von ein paar Minuten angeschlossen, so man denn einen „fully hooked“ Stellplatz gebucht hat. Je abgelegener der campground desto wahrscheinlicher, dass der Stellplatz keinen Dumpinganschluss hat. Dafür ist aber immer irgendwo auf dem Gelände eine Dumpstation, die umsonst genutzt werden kann.

Praktische Tipps unterwegs

Wir haben es immer so gemacht, dass wir die Toilette eigentlich nie genutzt haben, und wenn, dann nur für das kleine Geschäft- die integrierte Dusche gar nicht, da fast immer ordentliche Sanitäranlagen vor Ort sind. Ist man fern ab der Zivilisation unterwegs, sollte man, bei sparsamem Wasserverbrauch, dennoch darauf achten, alle zwei Tage den Abwassertank zu leeren. Denn so riesig ist das Fassungsvermögen nicht. Die Frischwasserreserven halten da schon deutlich länger (Volumen um die 120 Liter), sollten aber auch bei längeren Touren abseits der Zivilisation besser vorher befüllt werden.

Tanken: Es macht Sinn, den Tank nicht bis auf den letzten Tropfen leerzufahren, auch wenn in Nova Scotia und PEI die Distanzen nicht so riesig sind, wie man es von Kanada erwarten würde. Beide Provinzen sind recht klein. Aber: Die großen Motoren sind recht durstig. 18-20 Liter (Preis damals je Liter ca. 1,30 CND) auf 100 km sind bei einer mittleren Größe schnell weg. Das summiert sich und sollte bei der Planung durchaus als Kostenfaktor eingeplant werden. 2000-4000 km sind eher moderat als Fahrleistung, viele fahren deutlich mehr. 400 km am Stück sind aber kein Problem, da ist der Tank von zu einem Drittel bis zur Hälfte gefüllt. Darum am besten immer mal bei Gelegenheit nachtanken. (noe)