Im Keller der Uni Mainz wummert der Beat Afrikas

Eine Zeit nach diesem Artikel, der ursprünglich am 21. Sezember 2011 in der Mainzer Rhein-Zeitung (Gott hab sie selig) erschien, meldete sich die Allgemeine Zeitung in Windhoek und bat mich, Kontakt zu Hauke Dorsch herzustellen.

Afrika, der Kontinent der freundlichen Wilden – wer in Klischees denkt, wie sie Bücher wie „Die weiße Massai“ bedient, der wird auch von afrikanischer Musik nicht mehr als Getrommel erwarten. Dass diese Vorstellung von der Realität ungefähr so weit entfernt liegt wie Ruanda von Rheinhessen zeigt sich beim Blick in das Archiv für Afrikanische Musik im Ethnologischen Institut der Universität Mainz.

Entstanden ist das Archiv – wie so viele Dinge – auf Initiative einer einzelnen Person: Wolfgang Bender war in den 70er-Jahren als Englisch-Lektor in Nigeria tätig und entwickelte dort sein Interesse für afrikanische Musik genauer gesagt afrikanische Pop- und Rock-Musik. „Er wurde dort gewissermaßen zum Nachfolger“, sagt Dr. Hauke Dorsch, der seit 2010 für das Archiv verantwortlich ist.

Bender sammelte und war prima vernetzt. So ist seinen guten Kontakten zu verdanken, dass das Radio France International ihm fast sein gesamtes Vinyl-Plattenarchiv vermachte, als es seine Bestände in den 90er-Jahren digitalisierte. So kommt es, dass einige musikalische Schwerpunkte der Sammlung im frankofonen Afrika liegen – Elfenbeinküste, Kamerun, Zaire. Nicht nur deshalb beschreibt Dorsch das Archiv als „einigermaßen einmalig“ in Deutschland. Kein Wunder, dass das Archiv auf der Weltkarte der Afrikanischen Musik bekannt ist.

Weltweit sammelten Bender und auch andere Wissenschaftler des Instituts.Inzwischen bringen Forscherkollegen und Studenten von Reisen Tonträger für das Archiv mit. Auch Spenden aus privaten Plattensammlungen sind natürlich jederzeit willkommen. Neulich kam der Musiker Julien Babinga eigens aus Paris nach Mainz, um nach Musik aus seiner Heimat zu stöbern. Die Musik ist vielfältig: In Westafrika sind deutlich Einflüsse aus Südamerika und der Karibik hörbar, Rumba oder Calypso, während in Ostafrika arabische Anklänge zu finden sind. In Südafrika gibt es eine große Jazz-Tradition, den „Cape-Jazz“, und natürlich jede Menge dazwischen.

Das Archiv dient freilich nicht einem Selbstzweck. Es ist fester Bestandteil des Instituts. Entsprechend stark ist es in die Lehre einbezogen. „Ich biete eigentlich jedes Semester etwas an, was im weitesten Sinn mit afrikanischer Musik zu tun hat“, sagt Hauke Dorsch. Außerdem gibt es eine enge Kooperation mit den Musikwissenschaften. Den Ethnologen interessiert nicht nur die Musik allein. Auch das Artwork der Cover lässt seiner Meinung nach jede Menge Rückschlüsse zu. Es geht aber auch um gesellschaftliche Ansätze: Wie kommt Musik in den afrikanischen Ländern zum Einsatz, was machen die Leute mit der Musik, wie sieht die soziale Rolle des Musikers aus?

Ein weiterer Ansatz Dorschs ist es aber auch, diese Musik bekannt und zugänglich zu machen. So können Schulklassen selbstverständlich das Archiv besuchen, um einen Zugang zur afrikanischen Musik zu finden. Auch bei Festivals wie dem Wissenschaftsmarkt war man vertreten.

Homepage:

www.ama.ifeas.uni-mainz.de