Greis: Der Umarmer aus dem Weißen Block

Für den schweizer Rapper Greis begann sein 35. Lebensjahr viel versprechend. Sein neues Album  „Me Love“ wird von den Kritikern gefeiert. Weil er milder geworden ist.

Wenn irgendwo der Name nicht Programm ist, dann sicher beim Rapper „Greis“. Sein 34. Lebensjahr vollendete der Schweizer, der mit bürgerlichem Namen Grégoire Vuilleumier heißt, kürzlich. Und für sein Anfang April erschienenes viertes  Album mit dem Titel Me Love bescheinigen ihm die eidgenössischen Feuilletons, einen ganz großen Wurf gelandet zu haben.

Galten seine bisherigen Alben immer ein wenig als zu konzeptlastig und durchdacht, macht Greis sich locker, rappt diesmal einfach frisch von der Leber drauflos. Das mag dan vielleicht doch an einer gewissen Altersmilde liegen, die sich eingestellt haben mag. Vor einigen Jahren noch war das Leben des Musikers wilder. Im Sommer 2008 wurde er vorübergehend festgenommen. Er stand unter dem Verdacht, Sprayereien begangen zu haben.

Mit Mitte 30 ist man zwar im Musikgeschäft kein Greis, aber in der Hiphop- und Rapszene durchaus so etwas wie ein „Elder Statesman“. „Ja, ich habe mich emanzipiert“, verriet er der NZZ am Sonntag in einem Interview. „ es war uhuere befreiend, nicht mehr die Welt retten zu müssen.“ Aber gesellschaftskritisch bleibt er trotzdem, etwa indem er seine Landsleute in der Schwarzgelddebatte angeht. „Neutralität heisst nät als: Du tribsch es mit jedem.“ Oder als Zugpferd einer Werbekampagne der Umweltorganisation Greenpeace.

Jedoch: der „Wechsel vom schwarzen in den weißen Block“, wie das schweizer Magazin „Der Bund“ Greis‘ Wandel beschreibt, stößt mitunter auch auf Kritik. „Als ich vor den Aufnahmen in mich hineinhorchte und überlegte, was ich den Leuten zu erzählen habe, war die Diagnose selbst gestellt: Mir gehr es eigentlich gut, also spreche ich über das, was mir Freude macht“, sagte Greis in einem Zeitungsinterview. Doch er schaffte es zu vermeiden, in die Belanglosigkeit und Beliebigkeit abzurutschen. „Ich muss aufhören, mich über die Musik zu definieren“, zitiert ihn „Der Bund“. „Ich habe aufgehört, wie ein Irrsinniger zu sezieren. Ich will die Leute mit meiner Musik nicht erschlagen, sondern umarmen.“ Me Love, eben.

Doch wer ist dieser Musiker überhaupt? Greis wurde am 3. April 1978 in Lausanne geboren. Seine musikalische Früherziehung erhielt er bei der Berner „Chlyklass-Crew“ und als Bandmitglied von „PVP“. Sein erstes Album „Eis“ (bernerisch für die Ziffer 1) gilt als eines der bekanntesten schweizer Hiphop-Alben. Wobei: so streng mit dem Hiphop nimmt er es nicht. Es finden sich durchaus auch andere musikalische Einflüsse in seiner Musik. Für sein Album „3“ erhielt er den MTV European Music Award als „bester europäischer Act“.

Diskografie:

EPs:

Äsche zu Stoub (1999, PVP)

From Hell to Heaven and back (2001, PVP)

Hersh n’Bersh (2002, Chlyklass)

Aus Abfackle (2005, PVP)

Alben:

Eis (2003)

Eifach nüt (2004, PVP)

Ke Summer (2005, Chlyklass)

Daladal.art.05 (2005, swiss rab meets tanzanian bongo flava)

Rogue state of mind (2006, Sampler)

2 (2007)

Rollin’500 (2008, PVP, Chlyklass)

3 (2009)

Es geit (2011, PVP)

Me Love (2012)

Singles: Global, Teil vo dr Lösig, Teil vom Problem

Homepage:

 

Erstveröffentlichung 26.04.2012 IWM