Wie der Krebs die Karriere und das Leben von Katie Reider zerstörte

Es gibt nicht viele Geschichten, über die ich in meinem Berufsleben stolperte, die mich so dermaßen berührten und nicht mehr losließen wie diese. Die Geschichte der amerikanischen Sängerin Katie Reider, die mit 30 Jahren an Krebs starb. Ich machte mich auf, suchte nach Spuren, fand schließlich ihre Lebenspartnerin, die damals mit den beiden Kindern nach China gezogen war. Wir schickten uns seitenlange Mails, sie schüttete mir ihr Herz aus. Heraus kam das.

In  jedem  CD-Regal finden sich Werke etlicher bereits gestorbener Musiker. Alte Helden wie Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong – aber auch solche, die keine Helden sein wollten: Amy Winehouse, Kurt Cobain, Janis Joplin oder Jimi Hendrix. Nun auch eine Musikerin aus Cincinatti (Ohio), die auf dem besten Wege war, eine Große der Folk/Songwriting Szene zu werden, hätte sie nicht ein heimtückischer Tumor mit nur 30 Lebensjahren dahingerafft. Dies ist die Geschichte der Musikerin Katie Reider.

Einige Musiker starben jung, auf der Überholspur; aber auch weil sie mit dem Leben als Rockstar nicht klar kamen. „I hope I die before I get old“ sangen die „Who“ in ihrer Hymne My Generation. Immerhin für die Hälfte der Band, Schlagzeuger Keith Moon und Bassist John Entwistle erfüllten sich diesen Wunsch.  Ich möchte wetten, Katie Reider hätte eine Menge dafür gegeben, dass sie heute noch leben dürfte. Sie starb am 14. Juli 2008, vor knapp sieben Jahren. Und sie hinterließ ihre Partnerin Karen und zwei kleine Söhne (2 und 4 Jahre alt).

Karen und Katie lernten sich auf der High School in Cincinatti kennen. Sie spielten beiden in einer Theatergruppe und schlossen sofort Freundschaft. „Es ist schwierig, Katie zu beschreiben“, sagt Karen, „sie war die lebendigste Person, die ich jemals getroffen habe – voller Energie und Zuneigung.“ Ihre Präsenz war schon damals sehr ausgeprägt. Sie sang bereits, spielte beeindruckend Gitarre und hatte bereits ein kleines Repertoire selbstgeschriebener Stücke. Ihre Eltern hatten im Keller ihres Hauses ein kleines Tonstudio. Dort nahm sie ihre ersten Songs auf.

Die ersten Songs nahm sie im Tonstudio des Vaters auf

Sie trat hin und wieder in der High School Cafeteria auf – dort traf sie auch auf die Personen, aus denen später die „Katie Reider Band“ werden sollte. Doch ihre Eltern bremsten sie ein wenig. „Sie bestanden darauf, dass Katie aufs College ging – als Sicherheit, falls es mit der Musik nicht klappen sollte.

Auf der Uni wurden Karen und Katie ein Paar. Das war 1999. Katie war gerade dabei ihr erstes Album „Wonder“ aufzunehmen. Ihr Freund Tyler war restlos von Katies Talent überzeugt. Also trommelte er die besten Musiker der ganzen Gegend zusammen. Das erste Album kam gut an und verschafft ihr eine ansehnliche lokale Fangemeinde. Den Rest ihres Studiums verbrachte Katie damit Konzerte zu geben. Die Produzenten der Fernsehserie „Dawson’s Creek“ wurden so auf sie aufmerksam und nahmen drei ihrer Songs in den Soundtrack auf. Katie Reider nahm noch zwei weitere Alben auf. Eine Live-CD mit dem Titel „No Retakes“. Nach ihrem Tod griff Karen den Titel auf und veröffentlichte darunter ein Videoblog. In diesem dokumentierte sie das erste Jahr nach dem Tod Katies. Kurz nach dem Uniabschluss nahm sie „I am ready“ auf, ihr drittes Album. Anschließend konzentrierte sie sich ganz auf ihre musikalische Karriere.

Katie und Karen heirateten im Jahr 2003. Sie kauften ein Haus. 2004 brachte Karen den ersten Sohn zur Welt. Katies Popularität zog immer größere Kreise; ihr viertes Album „Simplicity“ erschien, ein rein akustisches Album. Inspiriert dazu hatte sie „Acoustic Valentine“, ein Album der Sängerin Catie Curtis. Irgendwann lerntem sich Catie und Katie persönlich kennen, traten ein paarmal gemeinsam auf, wurden Freunde.  Karen fand gleich einen Job bei BMW, während Katie unter der Woche zu Hause beim Kind blieb. Donnerstags bis sonntags war sie Rockstar. „Alles lief perfekt“, sagt Karen rückblickend. „Und genau dann geschah ,es‘“.

Karen war im fünften Monat schwanger mit dem zweiten Sohn, als Katie eines Morgens aufwachte und sich über Schmerzen in einem Backenzahn beklagte. Sie befürchtete, dass sie sich einer Wurzelbehandlung unterziehen müsste, dabei war sie nicht versichert. Karen schlug vor zum Zahnarzt zu gehen und den Zahn kurzerhand ziehen zu lassen. Dieser machte vorsichtshalber ein paar Röntgenaufnahmen. Ihre Zähne waren prima. Doch es gab keinen Kieferknochen mehr, der die Zähne hielt. Ein halbes Jahr zuvor hatte es den noch gegeben. Der Arzt war ratlos und schickte sie ins Krankenhaus. Zunächst dachten alle an Leukämie. Doch nach vielen Tests gingen die Ärzte von einer Knocheninfektion aus. Katie nahm starke Antibiotika in der Hoffnung, dass sich das Problem irgendwann von selbst lösen würde. Tat es aber nicht. Sie verlor zwei Zähne.

Daraufhin beschlossen die Ärzte, es mit einer „Hyperbaric oxygen treatment“ in den Griff zu bekommen. Sechs Wochen lang erhielt Katie zwei Stunden pro eine Sauerstoffbehandlung – offenbar hofften die Ärzte, dass der pure Sauerstoff dazu beitragen könnte, einen gesunden Blutaustausch im befallenen Kiefer herbeizuführen. Hoffnung keimte. Zudem bekam Karen ein Angebot, im BMW-Hauptquertier in New Jersey zu arbeiten. Das schien perfekt zu passen – schließlich trat Katie immer häufiger in New York auf, einen Katzensprung entfernt. Und da ja alles gut werden sollte… „Wir beschlossen also umzuziehen“, sagt Karen. Im März 2007 packten sie ihre Koffer und hofften auf einen Neustart.

Die Ärzte traten auf der Stelle

Zwei Monate ging alles gut. Plötzlich wurde Katie nachts regelmäßig wach und klagte über schwere Kopfschmerzen. Die Schmerzen kamen immer häufiger, die Ärzte in New Jersey traten auf der Stelle und überwiesen Katie schließlich zu einem Spezialisten in New York. Ende Mai begann sie plötzlich sich zu erbrechen, wenn sie etwas aß oder trank. Das ganze wurde so schlimm, dass sie einige Male ins Krankenhaus gebracht werden musste um Infusionen zu erhalten, damit sie nicht dehydrierte. Noch immer tappten die Ärzte im Dunklen, machten einen Test nach dem anderen. Innerhalb eines Monats verlos Katie 10 Kilo Gewicht. „Katie war immer schon dünn, jetzt war sie nur noch ein Strich in der Landschaft“, erinnert sich Karen. Nachdem die behandelnden Ärzte Proben quer durch die USA geschickt hatten, um die Ursachen zu erforschen, stand Mitte Juni endlich fest: es handelte sich um einen Tumor, der sich in der linken Augenhöhle eingenistet hatte. Boshaft und extrem selten.

Im September begann Katie Reider mit der Bestrahlung. Sechs Wochen täglich mehrere Stunden lang. Eigentlich hätte die Behandlung früher beginnen sollen, doch im August desselben Jahres verstarb Katies Mutter, die paradoxerweise ebenfalls an einer seltenen Krebsart litt. „In dieser Zeit war unser Leben so traurig, aber wir blieben stark. Wir wollten einfach nicht glauben, dass Katies Schicksal der Tod sein sollte“, sagt ihre Lebensgefährtin Karen. „Es durfte einfach nicht sein.“

Bestrahlung setzt Katie ziemlich zu

Die Bestrahlung nahm Katie übel mit. Sie nahm noch mehr ab, war unglaublich müde und ständig musste sie erbrechen. Von August bis Oktober war sie fast ausschließlich an ihr Bett gefesselt. Doch plötzlich ging es aufwärts. Katie kam zu Kräften und fühlte sich besser. Auf beinahe wundersame Weise  hatte sie plötzlich wieder Lebensenergie, sie nahm sogar zu. Die Ärzte wünschten ihr einen schönen Urlaub und entließen sie bis zur Nachuntersuchung Ende Januar 2008. Karen:  „Wir hatten ein wunderbares Erntedank und Weihnachten und fuhren sogar nach Disneyland.“

Doch die Freude währte nur kurz. Mitte Februar nahmen die Schmerzen wieder zu – beiden war klar, dass der Tumor wieder zu wachsen begonnen hatte. Katie musste ins Krankenhaus, erlitt eine schwere Infektion und litt starke Schmerzen.  „Die Ärzte sagten, dass unsere einzigen und letzte Chance die Chemotherapie sei“, erinnert sich Karen. Für eine Operation war es schon zu spät – der Tumor hatte bereits einige wichtige Arterien im Kopf von Katie umwuchert. Die Ärzte machten den beiden klar, dass dies lediglich ein Versuch werden würde, ihr Leben zu verlängern. Karen konnte das nicht glauben. „Ich sagte den Ärzten: Hey, ihr wisst nicht wen ihr vor Euch habt. Das ist Katie Reider und sie ist anders als die anderen. Sie wird den Tumor besiegen. Ich glaubte das zu 1000 Prozent. Wirklich. Vielleicht war dies auch nur meine Art, damit fertig zu werden. Kann sein.“

Der Tumor fraß sich immer tiefer in ihren Schädel

Von dem Tag an ging alles ziemlich schnell. Der Tumor setzte sein zerstörerisches Werk unvermindert fort. Katie begann mit der Chemotherapie im April. Sie dauerte bis Juni. Im Grunde lief es nach dem Muster ab: Katie kam ins Krankenhaus, die Chemotherapie dauerte drei Tage nonstop. Danach kam sie heim und schlief den Rest des Monats. Im nächsten Monat auf’s Neue. Ihre Haare fielen aus, sie war nur noch Haut und Knochen. Sie musste künstlich ernährt werden, weil die Schmerzen, die ihr das Schlucken bereiteten unerträglich waren. Sie erblindete auf dem linken Auge, weil der Tumor die linke Gaumenhälfte komplett zerfressen hatte. „Wenn sie den Mund öffnete, war dort oben ein großes schwarzes Loch – so etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen“, sagt Karen. Die linke Gesichtshälfte war völlig deformiert. Das beschämte Katie am meisten. Wenn man mit ihr kurz auf die Straße ging, wurde sie von den Menschen angegafft.

Weil Katie nun noch unverständlich nuscheln konnte, hatte sie immer einen kleinen Schreibblock dabei. „Ich konnte sie nur noch verstehen, wenn ich ihr gegenüber saß, aber nicht mehr am Telefon.“ Anfang Juni 2008 ging es ihr wieder ein wenig besser. Es ging ihr soweit gut, dass Katie mit Karen ein Wochenende ans Meer fuhr. Offenbar schien die Chemo doch anzuschlagen. Es ging sogar so gut, dass die beiden Ende Juni einen kurzen Urlaub in  Maine machen konnten. Katie ging zu Untersuchungen um ihre Fortschritte zu sehen und zur Überraschung der Ärzte war der Tumor zu 97 Prozent verschwunden. Diese guten Nachrichten überraschten alle. „Ich wollte es herausschreien: Seht her ihr Scheißärzte! Ich hab die ganze Zeit gewusst, dass sie es schafft!!“ Für Juli wurde eine letzte Chemo-Runde angesetzt. Im August sollten bereits Operationstermine vereinbart werden, um ihr Gesicht und den Mundinnenraum wieder herzustellen. Am nächsten Tag wollten die beiden mit ihren Jungen in den bitternötigen Familienurlaub aufbrechen, endlich alles hinter sich lassen, sich erholen. „Das war der Anfang vom Ende“, sagt Karen.

Es begann am Nachmittag. Katie war im Bad, als sie plötzlich unkontrolliert aus dem Mund stark zu bluten begann. Ein Krankenwagen brachte sie ins nächstgelegene Krankenhaus. Doch das war zu klein und zu schlecht ausgestattet, um sie richtig behandeln zu können. Irgendwie gelang es, die Blutung zu stoppen und man brachte Katie mit einem Hubschrauber ins nächstgrößere Krankenhaus. Noch nachts um 23 Uhr wurde Katie notoperiert. Der Tumor hatte einige wichtige Arterien zerstört. Fünf Tage verbrachte sie in dem Krankenhaus in Delaware, während Karen versuchte, einen Transportflug nach New York zu organisieren. Dort verbrachte sie weitere sechs Tage im Krankenhaus.

Inzwischen hatte Katie ein etwa Münzgroßes Loch in ihrer linken Wange. Der Tumor hatte darunter und dahinter alles Gewebe und Knochen weggefressen. „Bis hierhin hat sie alles ertragen, obwohl sie unglaubliche Schmerzen erlitt“, sagt Karen. „Aber das Loch war zu viel für sie. Sie konnte es nicht mehr ertragen sich selbst anzuschauen. Sie begann über den Tod zu reden. Das hatte sie zuvor noch nie getan.“

Wieder daheim verbrachte sie die meiste Zeit schlafend. Die Zeit kroch dahin, bis zum Sonntag, 13. Juli. Katie schlief wieder den ganzen Tag. Karen weckte sie gegen 21 Uhr am Abend, um ihr etwas zu essen zu geben. Doch Katie konnte nicht essen. Sie begann zu weinen. Dann musste sie husten und wieder begann sie zu bluten, diesmal noch schlimmer, als im Urlaub. Sie wurde nochmal ins Krankenhaus gebracht, das nur einen Block entfernt lag. „Ich dachte diesmal das war’s. Ich saß auf dem Flur und sah immer wieder vor mir, wie Katie unkontrolliert blutete.“ Die Blutung stoppte nochmal. Die Ärzte baten Karen hinein, um sie zu beruhigen. „In diesem Moment wusste ich, dass ich nur eine Sache tun konnte. Ich fasste ihre beiden Füße an – während die Ärzte noch an ihr arbeiteten -; ich sah ihr in die Augen und sagte: Sei frei Kate, wir hatten das tollste Leben, ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können. Den Jungen und mir wird es gut gehen. Sei frei. Und es war, als wäre ein riesiges Gewicht von ihr Abgefallen. Ihr Mund formte ein ,Danke‘.“ Um 4.30 Uhr kam der Krankenwagen, um sie zu den Spezialisten nach New York zu bringen. Katie schickte Karen heim, sie solle am Morgen wiederkommen, wenn die Nanny da sei. Um 5.45 Uhr erhielt Karen einen Anruf vom Krankenhaus, sie müsse sofort kommen. „Ich wusste sofort, dass sie tot sein würde“, sagt Karen. So war es. Eine Arterie war geplatzt. Kein Arzt bekommt das hin.

„Es fühlte sich an wie im Film, als ich sie das letzte Mal sah. Doch es war mein Leben“, sagt Karen. Die Kinder waren bei der Nanny und Karen irrte den Rest des Tages durch New York, umhüllt von einem surrealen Nebel.

Das erste Jahr war für Karen schwer. Das erste Weihnachten ohne Katie, der erste Kindergeburtstag, Katies erster Geburtstag nach dem Tod. Doch das schwierigste stand noch bevor: der erste Todestag. Nur zwei Wochen nach Katies Tod ging Karen zunächst wieder arbeiten. Doch sie merkte, dass sie so keine Chance habe würde, über den Tod hinwegzukommen. „Hier in den USA sind die Menschen nicht wirklich auf den Tod vorbereitet“, sagt Karen. Vielen, die sie als Freunde wähnten, war ihre Unsicherheit anzumerken und sie schwiegen.

Eine Freundin gründete die Website www.500kin365.org um zu helfen

Doch nicht alle. Eine Freundin, Lauren Fernandes, programmierte eine Website, um das Gedenken an Katie hochzuhalten. „www.500Kin365.com“ lautet der Titel. Sie wollte damit zeigen, wie sehr Katies Schicksal die Menschen berührte. Deshalb wollte sie 500000 Unterschriften und Reaktionen in einem Jahr sammeln.

Fernandes lernte Katie Reider schon früh kennen, mit 17 Jahren. Ihre Mutter nahm sie mit zu einem Konzert Reider, in einer Kirche in Cincinatti.  „Von der ersten Minute, die ich sie singen hörte, faszinierte sich mich“, sagt Fernandes heute. Sie arbeitet seit einigen Jahren für eine Casting-Agentur in Los Angeles. Einige Tage später, nach einem Konzert im Buchladen Barnes & Noble nahm sie sich ein Herz und sprach Katie Reider an. „Ich hatte gerade gelernt, wie man Websites programmiert und fragte sie, ob ich für sie die Seite www.katiereider.com programmieren dürfe“, erinnert Fernandes sich.

Es dauerte etwa ein Jahr, bis aus der Bewunderung von Lauren Fernandes für Katie Reider eine Freundschaft wurde. Bei einer Autofahrt fragte Katie Reider, ob Fernandes nicht etwas mehr über sie erfahren wolle. Dann erzählte sie ihr davon, dass sie und Karen seit drei Jahren ein Paar seien. Nach der Uni zog Lauren Fernandes 2005 nach Los Angeles. Anfang 2008 erhielt sie eine E-Mail, in der ihr Katie Reider von ihrer Krebserkrankung schrieb. Lauren fühlte sich hilflos, weit weg. „Ich musste etwas machen und ich war noch immer überzeugt davon, dass jeder wissen müsse wer Katie Reider ist. Eines Abends in meiner Wohnung kam mir die Idee für die 500k-Website.“ Innerhalb einer Nacht stand das Konzept. Die Idee: Innerhalb eines Jahres sollten 500 000 Menschen Katie Reider kennenlernen.

Noch wusste sie nicht, ob Katie Reider bereit sein würde, so tiefe Einblicke in ihr Leben und ihr Leiden zu geben. Schließlich hatte sie sich fast ein Jahr lang komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Doch Reider willigte ein. „Die letzten Monate mit Katie waren für mich unvergesslich“, sagt Lauren Fernandes. Endlich hatte sie wieder Kontakt. Und nach ihrem Tod geschah etwas bemerkenswertes. „Die gesamte Geschichte fand einen neuen Platz.“ Sie lernte die Familie und Fans von Katie Reider kennen. „Ich wusste: ihre Musik und ihre Stimme würden weiterleben.“

Nach dem Tod Katies machte ihre Frau Karen einen Schnitt: Sie verkaufte alles, was sie hatte und ging mit ihren Jungen im Januar 2009 auf eine einjährige Amerikareise. In dieser Zeit entstand das Video-Blog „No Retakes“, der Titel in Anlehnung an Katies erstes Album. „Die meisten Menschen dachten wohl, jetzt dreht sie komplett durch. Doch genau diese Reise rettete mir das Leben“, sagt Karen. Sie ging bewusst zurück an solche Ort, die ihr und Katie viel bedeutet hatte. In einem der ersten Teile des Blogs steht sie vor dem Baum, der für das Cover von „Simplicity“ Vorbild war. Dort hatten sie viel Zeit verbracht, es war einer ihrer Lieblingsplätze. Ob Zufall oder Symbol: Ein Blitzeinschlag hatte den Baum gespalten. Während die eine Hälfte abstarb, lebte die andere weiter. „Es ist zwar schon fast vier Jahre her, aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke.“

„Ich wollte, dass das Blog so offen und verwundbar wie möglich wird“, sagt Karen. Auch das im Sinne Katies. „Katie lebte nach dem RTV-Prinzip“, sagt sie. Sei real, transparent und verwundbar. Wahrscheinlich sprach sie auch deshalb so offen über ihren Kampf, als er am größten war.“ Karen hat Katie viel zu verdanken. Viele wunderbare Jahre, zwei gemeinsame Kinder.

Der Musikwelt vermachte Katie Reider ein paar Alben, die bereits in jungen Jahren erahnen ließen, welch großartiges Potenzial in ihr steckte – das sie aber nur in Ansätzen ausschöpfen durfte. Karen: „Sie sang wie ein Engel, die Alben werden ihr diesbezüglich nicht gerecht. Ihre Stimme war ein echtes Wunder und sie hatte eine unglaubliche Bühnenpräsenz.“

Diskografie: Wonder (1998, Blue Jordan), No Retakes (2001, Blue Jordan), I Am Ready (2002, Blue Jordan), Simplicity (2004, KRM)

Internet:

www.katiereider.com

www.500kin365.org