Mittel gegen Herbstdepression: Adjiri Odameteys drittes Album Dzen

Puh, das war knapp. Frisch aus dem Urlaub zurück,drohte ich nahtlos vom Alltagsblues in die Herbstdepression zu gleiten, als die Stimmungsrettung plötzlich im Briefkasten lag. Adjiri Odametey heißt der Mann, dessen neu erschienenes drittes Album „Dzen“ (übersetzt Welt) ein prima Stimmungsaufheller ist.

Odametey wuchs in der ghanaischen Hauptstadt Accra auf. Er studierte traditionelle Musik im Arts Council of Ghana in Accra. Adjiri Odametey spielte im Pan African Orchestra, die ihr Debütalbum Opus 1 auf Peter Gabriels Label Realworld aufnahmen. Weitere Gruppen, in denen er spielte, waren: Ghana Dance Ballet, Tarantula, Kalifi Dance Ensemble und Kyirem – mit letzterer gewann er zweimal den Ecrag-Award. Tourneen führten Adjiri Odametey nach Japan, Kanada, Russland, Alaska und Europa. 1993 gründete er seine erste eigene Band „LASU“ und trat vorwiegend in Europa auf. Seit 2003 gibt Adjiri Odametey mit seiner Band Weltmusik-Konzerte.

Ganze sechs Jahre ließ sich Odametey mit diesem Werk Zeit – Zeiträume, wie man sie auch vom namibischen Altmeister Elemotho kennt. Gut, in Afrika ticken die Uhren anders.Doch vor allem: das Warten hat sich so richtig gelohnt. Gleich beim ersten Lied ist man mittendrin, in der warmen Atmosphäre, die das Album ausstrahlt. Keine Hektik, dafür maximale Tiefenentspanntheit kennzeichnen dieses Album, das so unpretentiös daher kommt, dass es fast schon wieder cool ist, ohne unterkühlt zu wirken. Wobei: Unterkühltheit auch keine Eigenschaft wäre, die zu afrikanischen Künstlern passen würde.

Ein Markenzeichen des ghanaischen Künstlers ist seine Stimme, die sich ganz natürlich mit den Klängen der von ihm auch selbst gespielten Instrumente – Belafon, Kora, Mbira oder Kalimba zu einem wunderbar vielschichtigen aber dennoch reduzierten Klangerlebnis verspinnt. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass Odametey die Stücke natürlichselbst komponiert und textet – und dabei wahrhaft poetische Züge an den Tag legt. So heißt es imzweiten Stück Tesaa: „Ich bin wie ein Baum. Wohin auch immer du gehst, egal, was passiert; kommst du zurück, kannst du dich an mich lehnen, ich bin wie ein Baum, fest im Boden verwurzelt.“ Das ist schon beinahe Lyrik.

Die Themen der insgesamt überwiegend ruhigeren Stücke sind Liebe und Vertrauen, aber auch die immerwieder formulierte eindringliche Aufforderung nach mehr Sorge um unsere Welt – nicht nur in Afrika ein zeitloses Dauerbrennerthema. So heißt es im Titelstück Dzen: „Im Anfang schuf Gott die Welt. Er bereitete alles für uns vor. Alles,was wir tun müssen, ist uns um die Welt zu kümmern. Laßst uns um die Welt kümmern.“

13 Stücke ist das Album lang – dreizehn gute Mittel gehen Herbstblues und Fernweh, 13 starke Argumente, seine Lebensweise zu überdenken. Das versuchen viele. Adjiri Odametey schafft das; ganz ohne moralisieren mit erhobenem Zeigefinger oder Penetranz. Er schafft es ganz leichfüßig und natürlich, einfach, weil er es kann. Und das macht dieses Album besonders. Darum auch 9 von 10 Punkten mit Tendenz nach oben.