Luke Bryan – Country-Partylöwe der zwei Schicksalsschläge durchlebte

Eigentlich hätte ich schlafen sollen – die Kinder würden garantiert grätig sein, nach diesem Flug von Halifax nach Frankfurt. Sechseinhalb Stunden, jede Stunde zählte doppelt, Ankunft 7.30 Uhr, da verheißt der folgende Tag alles andere als eine Spaßveranstaltung zu werden. Doch ichschlief nicht, flitschte durch das nicht gerade üppige Condor-Bordprogramm. Weil nur zwei Filme kostenfrei verfügbar waren, war ich schnell beim Musikangebot gelandet. Die erste Stunde ließ ich mich von Bob Marleys Best of vom Schlaf abhalten. Reggae, dachte ich, entspannt. Doch aus Schlaf wurde nix.

Dann landete ich in der Sektion Country. Nicht ganz zufällig, denn wenn es ein Richtung gibt, die mich immer wieder verblüfft (wie, das ist Country?) und von der ich wenig Ahnung habe – obwohl mir die Musik gefällt, dann ist das Country Die Dixie Chicks gehören zwar seit langem zu meinen Lieblingsbands, aber der Rest ist ein weites weites unbekanntes Feld. Schon deshalb sagte mir der Name Luke Bryan nichts.Woher auch? „Spring break – here to Party“ lautete der Titel des Albums. Was erwartete ich? Den perfekten Soundtruck für American Pie vielleicht. Und so ganz daneben lag ich nicht – Stifflers mom jedenfalls hätte zu dieser Musik jedenfalls jede Menge Spaß gehabt.

In den Songs geht es um das jugendlich leichte Sommerleben – Sommer, Sonne, ein paar kalte Dosen Bier, Mädchen in karierten Hemden oder in feuchten T-Shirts und eine schmissige und ungemein eingängige  Mischung aus Rock, Slideguitar, Fiddle – und in der Tat – fertig ist der perfekte Sommersoundtrack. Dabei hätte der Musiker Luke Bryan eigentlich jede Menge Gründe, nicht unbedingt die sonnige Seite des Lebens zu besingen. Umso erstaunlicher,dass er es trotzdem tut.

Mit 19 ging er in die Music City nach Nashville, getrieben vom Wunsch und der Hoffnung, vielleicht das nächste große Ding imCountryuniversum zu werden. Denn fest steht schon – wer sich in der County-Szene Sporen verdienen will, kommt um Nashville nur schwer herum. Doch kaum dort, hätte er beinahe wieder die Koffer gepackt. Sein Bruder war bei einem Autounfall tödlich verunglückt.

Bryan nahm die nächste Ausfahrt Georgia Southern University, auch, um seinen Eltern, sie arbeiteten als Erdnuss-Farmer, besser beistehen zu können. Dort an der Uni machte er aber weiter Musik, gründete eine Band und veröffentlichte sein erstes Album – wahrscheinlich stammt aus dieser Zeit seine thematische Nähe zum Thema Spring Break, dem er insgesamt drei EP widmete, und die er später, 2012, in seiner ersten Compilation zusammenfasste – plus zweier neuer Songs. Allerdings:  Zwischen der ersten EP und „Spring Break – here to Party“ vergingen mehr als fünf Jahre.

Sein Vater schickte ihn dann doch noch nach Memphis, wo Bryan zunächst bei einem Musikverlag jobbte und nebenher Konzerte gab.

Durchaus mit Erfolg. Sein Song „All my friends say“ (2007) wurde sein erster Hit. Durch diesen Erfolg wurde Bryan eingeladen, im Grand Old Opry aufzutreten. Seine ältere Schwester organisierte einen Großteil der Zuschauer-129 Leute, praktisch die ganze Heimatstadt von Luke Bryan. Sie alle wollten sein Opry-Debüt sehen.  Wenige Tage nach dem Konzert war seine Schwester tot. Sie starb völlig unerwartet zu Hause, niemand wusste warum.

„Spring Break – here to party“ brachte ihm die erste Nummer-eins-Platzierung in den offiziellen Albumcharts. Die zweite folgte noch im selben Jahr mit der Veröffentlichung des vierten Studioalbums „Crash My Party“. Selbst verkaufte es sich innerhalb weniger Monate zwei Millionen Mal, drei Songs daraus, der Titelsong, „That’s My Kind of Night“ und „Drink a Beer“, waren Millionenseller, die beiden letztgenannten auch Nummer-eins-Hits bei den Country-Songs. Bis Ende 2015 ist Luke Bryan in Nordamerika und Mexiko mit seiner „Farm Tour“ unterwegs.  Mit dem Schlaf wurde es bei mir nichts. Ich war nach drei Songs hellwach, versuchte mir den Namen und Albumtitel zu merken, um die CD gleich am nächsten Tag zu bestellen.