Gipsy Kings: Französischer Familienbetrieb endlich mit Grammy und wieder auf Tour

25 Millionen verkaufte Alben, die fast durchgängig Gold- oder Platinstatus erlangten – das sind Zahlen, die nur ganz wenige Künstler vorzuweisen haben. Noch seltener, wenn man das Genre Weltmusik betrachtet. Sie machen die Gipsy Kings zu einer der erfolgreichsten Weltmusik-Formationen. Der Welt. Ihre Hits Bamboleo (1987) oder Baila Me (1991) sind praktisch Gemeingut und fast schon Partykracher aus der Mitgröhlecke.

Vergangenen Oktober erreichte die Karriere der Gipsy Kings ihren vorläufigen Höhepunkt. Ihr Album „Savor Flamenco“ wurde mit dem Grammy in der Sparte Weltmusik ausgezeichnet, nach sechs Nominierungen. Und in wenigen Tagen starten sie am 10. April im mexikanischen Monterrey den Auftakt ihrer 25th Anniversary Tour. Bis Ende August werden sie durch Mexiko und die Vereinigten Staaten touren.

Ob sie nur einen gebührenden Anlass für die Tour brauchten, oder welche Zeitrechnung zugrunde legen. Auf ihrer Website benennen sie das Erscheinen ihres selbstbetitelten Debütalbums. Das erschien 1987. Ist aber auch irgendwie Wurscht.

Die Geschichte der Band beginnt in den 70er-Jahren

Die Geschichte der Gipsy Kings beginnt in den späten 1970er Jahren in der französischen Carmargue, als sich die Söhne des Flamenco-Musikers José Reyes – Nicolas, Paul, Canut, Patchaï und André – sowie sein Schwiegersohn Chico Bouchikhi zusammenschlossen.

Wobei Reyes bereits seit den 60er Jahren musikalisch unterwegs war. Damals sang er mit Manitas de Plata (Ricardo Baliardo) in den bekanntesten Spielstätten der Welt, etwa der Carnegie Hall. Salvador Dali und Charlie Chaplin sollen damals zu ihren Fans gezählt haben.

Doch zurück in die 70er. Zunächst nannte sich die Kombo José Reyes et Los Reyes und tingelte zwischen Hochzeiten, Festivals und Straßenauftritten hin und her. Auf einer Hochzeit in Les Saintes Maries de la Mer spielten sie während der großen Gipsy-Wallfahrt erstmals zusammen und sie einigten sie sich mit den drei Baliardo-Brüdern Diego, Paco und Tonino auf eine Zusammenarbeit. Sie reisten nach Saint Tropez, wo sie tagsüber am Strand und abends für den Jetset um Brigitte Bardot spielten. „Los Reyes“ bedeutet übersetzt „The Kings“. Und so wurden sie zu den Gipsy Kings.

Doch der große Durchbruch blieb zuerst aus; die ersten beiden Alben zogen nur wenig Aufmerksamkeit auf sich. Zu diesem Zeitpunkt spielten die Gipsies noch ihre traditionellen, energetischen Flamenco-Rhythmen, vorangetrieben von Toninos Gitarrenarbeit und Nicolas’ Stimme.

Mit dem Produzenten Claude Martinez bereicherten sich die Gipsy Kings mit Einflüssen aus dem mittleren Osten, Lateinamerika, Nordafrika aber auch normalen Pop-Elementen.

Die Band veröffentlichte 1987 „Djobi Djoba“ und „Bamboleo“ auf einem Independent Label. Danach brachen alle Dämme: Ende der 1980er stürmten die acht Franzosen mit Sommerhits wie den genannten „Djobi, Djoba“ und „Bamboleo“ zunächst die Strandcafés, Bars und Freiluft-Discos rund ums Mittelmeer.

Die von den mitteleuropäischen Touristen in ihre Heimatländer mitgebrachten Lieder starteten binnen kürzester Zeit ihren Eroberungszug in den Verkaufscharts anderer Länder. Allein in den Jahren 1989/90 erhielt die Gruppe Gold- und Platinauszeichnungen in fünfzehn Ländern. Ihr gleichnamiges Debütalbum ging 500.000 Mal über deutsche Ladentheken.

Zwei Familien aus Südfrankreich

Die Gruppe setzt sich heute hauptsächlich aus fünf Brüdern der Familie Reyes (aus Arles) und drei Brüdern der Familie Baliardo (aus Montpellier) zusammen; sie sind Nachfahren von Kalé-Roma-Flüchtlingen, die während des Spanischen Bürgerkriegs nach Frankreich auswanderten.  Zu Beginn bestand die Band ausschließlich aus Gitarristen, mit zunehmendem Erfolg kamen jedoch Synthesizer, E-Bass und Percussion-Instrumente hinzu. Zwischenzeitlich besann sich die Gruppe wieder ihrer Wurzeln und veröffentlichte mit „Roots“ ein Album, auf dem erneut nur Gitarren zum Einsatz kamen.

Die eigentliche Spreche der Band ist Französisch, aber sie singen in den spanischen Dialekt „Gitane“, einem Roma-Dialekt, einer Mischung aus Spanisch, Französisch und Katalanisch. Ihre Wurzeln hat die Gitane-Kultur im Süden Spaniens, in der Gegend um Sevilla und Granada – eine wirtschaftlich strukturschwache Region, aber die Heimat des Flamenco und der Stierkämpfe. Die Menschen aus dieser Gegend nennt man „Gitanos“, spanische Roma, die während des Spanischen Bürgerkriegs in den 30er-Jahren fliehen mussten. Der Begriff „Gitano“ stammt von dem Wort „Egiptano“ – der spanische Ausdruck für Ägypter. Übrigens auch der englische Begriff „Gipsy“ stammt von „Egyptian“.