Durham County Poets und die Gelassenheit von 100 Jahren Musikerfahrung

Knapp 70 Kilometer südwestlich von Montreal, Quebec, liegt das Städtchen Ormstown. Der Ort im Herzen des  Chateauguay Valley ist beschaulich: zwei Grundschulen, eine High School, eine Volkshochschule, ein paar Restaurants und einige Antiquitätenhändler gibt es für die 3.500 Einwohner. Die Kulturszene scheint auf den ersten Blick ebenfalls überschaubar – wäre da nicht eine Gruppe Männer im besten Alter, die sich im Herbst 2011 dazu entschlossen haben, gemeinsam Musik zu machen. Die Durham County Poets waren geboren. Sänger Kevin Harvey, Gitarrist David Whyte, Gitarrist Neil Elsmore, Bassist Carl Rufh und Perkussionist James Preimel. Zu jenem Zeitpunkt hatten die fünf zusammengenommen schon fast 100 Jahre Musikerfahrung auf dem Buckel.

 Vergangenen Winter spielten sie ihr zweites Album ein, nachdem das erste bereits in der nahe gelegenen Metropole Montreal durchaus Gehör gefunden hatte. Zu recht, übrigens. Den Stücken merkt man einfach an, dass die Band nichts mehr beweisen muss. Sie wirken ruhig, entspannt und abgeklärt – kurzum: die passen perfekt zur Gegend aus der sie kommen. Carl Rufh hat dafür eine einfache Erklärung. „Wir sind in den 70ern aufgewachsen, das hört man den Songs an. Wir haben und alle mit Rock’n’Roll die Nächte um die Ohren gehauen. Aber das Wichtigste: Wir haben Spaß an der Musik und verbringen gerne die Zeit miteinander. Diese Freude wollen wir mit anderen Menschen teilen.“

Kennengelernt haben sich die fünf übrigens beim gemeinsamen Jammen in einem der vielen Live-Musik Pubs. „Wir haben vorher alle schon in anderen Lokalen gespielt“, sagt Bassist Carl Rufh auf Anfrage des INSIGHT Worldmusic Magazines. „Ich habe in vielen verschiedenen Bands gespielt und habe vorher im Kino-Geschäft gearbeitet.“ David Whyte spielt schon sein ganzes Leben lang Gitarre, auch in verschiedenen Bands. Gemeinsam mit Rufh spielte Whyte Horn in einer altmodischen Tanzband, die Stücke aus den 20er, 30er und 40er Jahren – Rufh Trombone, Whyte Saxophon.

2010 kaufte Rufh seinen Bass. Kurz darauf lernte er Kevin Harvey kennen, der gemeinsam mit Neil Elsmore auf der Suche nach einem Bassisten war.

Eines nachmittags spielten Carl, Kevin und Neil in einem Café in Ormstown, als David hereinkam. Sie luden ihn ein mitzuspielen. Auf der Suche nach einem Percussionisten stießen sie auf Jim Priemel aus der Nachbarstadt Howick. Fortan trafen sie sich wöchentlich in dem Café, schrieben Songs gemeinsam. Einige Leute kamen vornei, um der Band beim Proben zuzuhören. So kam die Idee, eine CD aufzunehmen.

„Bislang reicht es aber noch nicht, um als Durham County Poets von der Musik zu leben“, sagt Carl Rufh. „Aber man weiß ja nie. Das kann sich ändern.“ Bis dahin arbeitet er mit mehreren Bands um über die Runden zu kommen. David betreibt eine Musikschule, Jim ist Maschinist. Niel hat ein Restaurant und Kevin hilft seiner Frau Darleen in einer Tageseinrichtung für Kinder.  Viele Songs haben die Poets gemeinsam geschrieben, andere wurden schon vor vielen Jahren geschrieben. Kevin, Neil, David und Jim sind alle Songwriter. Carl kümmert sich mehr um die Arrangements.

Bei der Promotion ihrer Songs nutzen die Poets auch das Internet – Facebook und Twitter. Zudem haben sie eine Website und sind auf Reverbnation.com. „Wir finden das ziemlich nützlich“, sagt Carl. „Aber das Musikbusiness ist heutzutage ein ganz anderes Tier“, findet er. Unabhängige Musiker müssen alles selbst machen. Die Zeiten, in denen man darauf hoffen konnte, von einem Label entdeckt zu werden sind vorbei, sagt er. „Also müssen wir den Stier bei den Hörnern packen. Künster müssen das Geschäftliche selbst regeln, soviel steht fest.“

Nach den ersten Achtungserfolgen mit ihrem Album „Where the river flows“ haben die Durham County Poets über den Winter ein zweites Album produziert. Es heißt „Chikkaboodah Stew“ und soll am 20. Juni beim Montreal Folk Fest On the Canal vorgestellt werden. „Wir sind sehr stolz auf die Platte“, sagt Carl. „Danach werden wir den ganzen Sommer mit touren verbringen.“ Andreas Nöthen

Homepage