Neuphoria: Wie drei Frankfurter Jungs dem Rock auf die Beine helfen

Manchmal kann man mit Fug und Recht behaupten, der erste gewesen zu sein, der über eine aufstrebende Band geschrieben hat. Im Falle der Frankfurter Band Neuphoria war das tatsächlich so. Fragt sie ruhig!

Das Jahr hat turbulent begonnen für Chris, Nico und Johannes, der sich das Pseudonym Joneo gegeben hat. Im Dezember beschlossen die drei Musiker aus Frankfurt bzw. Bad Homburg bzw. Karben, sich zu einer Band zusammenzuschließen. Ihr Name: Neuphoria. Anfang des Jahres gingen die drei ins Studio, seit Ende Mai ist die EP fertig. „Für immer neu“ ist ihr Titel. Und nun sitzen die drei an einem der ersten warmen und trockenen Tage des Jahres im Irish Pub in Frankfurt und geben ihr erstes Interview; dem INSIGHT Worldmusic Magazine.

Deutschrock – der Begriff verheißt Uncooles. 80er-Jahre, Namen wie Wolf Maahn, Heinz-Rudolf Kunze oder Klaus Lage kommen einem da sofort in den Sinn. „Wir machen deutschen Rock“, konkretisiert Joneo. Also eher Rock-Musik mit deutschen Texten. Wobei die drei Musiker sich eher in der Schublade Classic-Rock verorten würden. Was schon selten genug ist für drei Jungs, die gerade einmal 28 bzw. 21 Jahre alt sind. Das Klischee des Classic-Rocks kennt nur alternde Musiker, deren Hochzeit irgendwo in den 70er und 80er-Jahren lag und in denen sie sich heute noch immer musikalisch ausschließlich bewegen, irgendwo zwischen Led Zeppelin und den frühen Genesis.

Das ist ungewöhnlich genug. „Wenn du heutzutage Rock machst, ohne die Bezeichnung ,Indie‘ davor, hast du normalerweise schon ein Problem“, sagt Joneo, der vor kurzem sein Germanistikstudium hinter sich gebracht hat, für die Texte der Combo verantwortlich zeichnet und so etwas wie deren selbst ernannte Sprecher ist. Zumal die Stadt Frankfurt bislang weiß Gott keinen Namen dafür hatte, ein gedeihliches Umfeld für ausgewiesene Rock-Bands zu sein. Wenn überhaupt etwas aus Frankfurt in den letzten Jahren kam, was dies entweder Techno oder Hiphop. Aber Rock? Den Dreien ist das jedenfalls ziemlich schnurz. Denn ihre Musik ist derart unkonventionell, dass sie eh durch die meisten Raster fällt. „Es ist sehr schwierig, als Newcomer-Band Fuß zu fassen“, wissen sie. „Immer mehr Clubs in Frankfurt machen zu.“

Das liegt zum einen an ihren musikalischen Wurzeln. Gitarrist Joneo und Bassist Chris trafen bei Jam Sessions zusammen, in den wenigen Frankfurter Kneipen, in denen das überhaupt noch möglich ist. Joneo pflegt einen druckvollen, Energie geladenen Stil – irgendwo zwischen Angus Young und Santana, die er als seine Vorbilder sieht. Chris stammt ursprünglich aus der Punk-Ecke, legte sich aber mit der Zeit einen feinen Funk zu. „Jazz, das wäre nichts für mich“, sagt Chris. „Ich bin kein Fuddler, in mir drückt’s.“  Und Drummer Nico, der Jüngste im Bunde, scheint ohnehin so ziemlich jede Richtung zu beherrschen.

Über das Improvisieren fanden sie zusammen, über das Improvisieren scheinen sie auch ihren Stil zu finden. Nichts, was sich in 3.33 Minuten pressen ließe und damit die Chancen auf ein Radio-Airplay von sich aus minimiert. Ist den Dreien aber auch ziemlich Latte. Ihre Stücke sind kantig, mit Brüchen, spektakulären Volten – aber eben auch eingängigen Refrains. Da wunder er kaum, dass ihnen beim jüngsten Konzert in Hofheim – ein Open-Air – die Zuschauer im strömenden Regen eher mehr als weniger wurden. Die Stücke der Band sind durchaus sperrig und verlangen die  Aufmerksamkeit des Zuhörers, sind zugleich technisch anspruchsvoll, eingängig und gut tanzbar. „Ein Zuschauer hat mal gesagt, ihr hört euch an wie der frühe Frank Zappa‘“, erinnert sich Joneo.

In jedem Fall sind sie eine famose Live-Band, so viel steht fest. Da gehört es zum festen Programm, dass sie sich auf der Bühne schon mal aus dem Publikum die gewünschte Tonart zurufen lassen, um anschließend genüsslich zehn Minuten darauf herum zu improvisieren.

Doch das Suchen nach neuen Schubladen kann man sich schenken, denn die Drei wollen und werden sich weiterentwickeln. „Ich stelle mich jetzt nicht hin und sage, das ist die beste Platte, die es je gab“, sagt Joneo. Zunächst einmal sind die drei froh, dass sich die EP überhaupt so schnell realisieren ließ. Neuphoria – die Freude über etwas neues – ist da ein durchaus bewusst gewählter Bandname, sagt Joneo. Aber innerlich ticken sie schon weiter, freuen sie sich auf die nächsten Gigs und die Zukunft, die für die Band durchaus Erfreuliches parat haben könnte. Und sie wollen weiter experimentieren, zusammenfinden, die Rockmusik ausloten. „Vielleicht werde ich versuchen, künftig etwas mehr Hiphop-Elemente mit reinzubringen“, sagt Joneo. „Aber, unsere Musik wird immer Rock sein und die Gitarre immer als stilbringendes Element erkennbar.“  Als nächstes sind sie am Montag, 10. Juni, in der Brotfabrik in Frankfurt zu sehen. Aber weitere Gigs, auch in anderen Teilen der Republik, werden ziemlich schnell folgen, darauf darf man wetten. Andreas Nöthen

Reinhören kann man hier