MsKelle – eine Pionierin in Sachen Songwriting am Kap

Wenn Musik aus Südafrika zurzeit auch international sehr gefragt ist, ist es neben dem Cape Jazz sicher auch der Afropop. Eine Singer/Songwriterin aus Südafrika, die zudem auch noch farbig ist – das gibt es bislang kaum. Und genau das will die junge Musikerin MsKelle (gesprochen Kelly) ändern.

Eigentlich heißt MsKelle Kelello Tekateka und lebt in Johannesburg, doch eigentlich wird sie schon von Kindesbeinen an nur Kelle genannt. „Ich begann Musik zu machen und aufzutreten, als ich an der Uni war. Irgendwann setzte jemand das „Miss“ davor und MsKelle war geboren“, sagt sie im Interview mit INSIGHT Worldmusic Magazine. Und eigentlich ist Kelle aus Lesotho. Als Tochter des Botschafters wuchs sie die ersten zehn Jahre ihres Lebens als Diplomatentochter in Bonn auf.

„Ich habe eigentlich schon immer gesungen“, sagt sie. „Ich war immer irgendwo in einem Chor und gewann auch einige Preise als Kind, aber so richtig auf die Schiene Singer/Songwriter kam ich in der High School.“ Doch bis zur professionellen Karriere als Musikerin musste Kelle noch etwas warten. Denn ihre Eltern haben eine eher konservative Einstellung und somit was ein Musikstudium zunächst keine wirkliche Option. Sie folgte dem Rat meiner Eltern und studierte Gesellschaftswissenschaften. „Aber dass ich nach dem Bachelor-Abschluss weiterstudierte bis zum Master, war meine Entscheidung“, sagt sie. „Bildung ist einfach wichtig. Ich stellte fest: mein Herz gehört der Musik. Aber ich habe auch eine Leidenschaft für Entwicklungshilfe.“

Kelle beendete also ihr Studium in London, wo sie zeitlich immer mehr in die Musikszene eintauchte. Das war letztlich auch der Zeitpunkt als sie feststellte, dass sie sich künftig mehr mit Musik beschäftigen möchte. „Ich stellte auch fest, dass ich keine feste musikalische Schulblade brauchte.“ Ein paar Jahre später ging sie zurück nach Südafrika.

Zurzeit arbeitet sie an ihrer ersten CD. Warum sie keinen Afropop mache? „Viele Plattenfirmen kamen auf mich zu und fragten, ob ich nicht lieber Afropop singen möchte“, sagt sie. Möchte sie aber nicht. Sie lehnte dankend ab. „Ich liebe es einfach viel zu sehr, Musik zu schreiben.“ Ihren Stil beschreibt sie als Songwriting mit Soul- mit Pop-, R’n’B- und Rock-Einflüssen. Aber sie traut sich auch an andere Genres heran, die sie munter in ihre Musik integriert. So gibt es von ihr auch ein Dubstep-Stück, ohne dass sie dies zu ihren Hauptrichtungen zählen würde.

„Es gibt speziell in Südafrika sehr wenige farbige Singer/Songwriter“, sagt Kelle. Jeder arwarte von schwarzen Frauen, dass sie R’n’B oder Hiphop singen. „Die meisten folgen Trends, das ist, was die Masse erwartet“, sagt sie. Aber der Masse will sie nicht gefallen. „Es ist okay anders zu sein, seinem Herz zu folgen und das Risiko auf sich zu nehmen.“ Das Risiko des Misserfolgs, der längeren, steinigeren Wegs in einem Land, das er auch 19 Jahre nach Ende der Apartheid noch immer in vielen Dingen geteilt ist zwischen schwarz und weiß. „Vieles hat sich noch nicht verändert in Südafrika, die Ungleichheit etwa“, sagt sie. Aber: Die Fußballweltmeisterschaft 2010 habe viel verändert. „Ja, plötzlich hat die Welt nach Südafrika geschaut. Und viele waren überrascht, dass das Land viel mehr zu bieten hat, als die üblichen negativen Images – Kriminalität und Apartheid.“  Aber die Menschen in Südafrika vergessen auch schnell, dass das Land trotz allem noch sehr jung ist und Veränderungen viel

Zeit brauchen.

Gesellschaftlich – aber eben auch musikalisch. MsKelle mag in der südafrikanischen Songwriter-Szene zurzeit noch ein Exot sein. Vielleicht auch ein Pionier, aber sicherlich keine Eintagsfliege mehr. Bis Ende Juni will sie ihre erste EP aufgenommen haben. Man darf sicher gespannt sein. Andreas Nöthen

Einige Lieder von MsKelle finden sich bei Soundcloud