Girlband auf Nordkoreanisch: Moranbong-Band tanzt nach Kim Jong Uns Pfeife

Die ganze Welt tanzt zurzeit den „Gangnam Style“ des südkoreanischen Musikers „PSY“. Diverse Versionen des am 15. Juni veröffentlichten Songs auf Youtube verzeichnen mehrere Millionen User-Klicks. Das schrille Auftreten des Musikers mag verwundern, nahezu befremdend ist jedoch ein Video, das fast zeitgleich ein Stück weiter nördlich im nordkoreanischen Pyöngyang entstanden ist und bislang kaum mediale Aufmerksamkeit erhielt, obwohl es, so bewerten es Beobachter, vielleicht noch ein Stück revolutionärer ist als das allgegenwärtige Gehoppel PSYs.

Ein Saal, die Besucher sitzen akurat auf ihren Stühlen – bis sich die Tür öffnet und der nordkoreanische Herrscher Kim Yung Un mit Gefolge den Saal betritt. Frenetischer Jubel. Es war das erste Konzert der von Un gegründeten „Moronbang-Band“. Ein Ereignis, dass dem Staatsfernsehen einen mehr als zehnminütigen Jubelbericht wert war. Bislang wurde das Video bei Youtube noch keine 10 000 Mal geklickt. Wie auch: Nordkorea fährt eine strenge Medienzensur. Alles was von dort nach außen dringt soll auch beachtet werden.

Es ist ein Stück Propaganda und sozialistische Inszenierung, wie man es im Westen seit Ende des kalten Krieges nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Junge, hübsche, strahlende Frauen in Abendkleidern beginnen das Konzert standesgemäß – mit der Nationalhymne. Anschließend spielen sie, in einer Mischung von Night oft the Proms und Rondo Veneziano staatstragende Arrangements und, man höre und staune, das eine oder andere westliche Stück, darunter die Titelmelodie der Boxfilm-Saga „Rocky“. Eingebettet in patriotische Lieder mit Titeln wie „Mein Leben und das Land“, „Das Land wird sich immer erinnern“, „Sieger“ oder „Die entscheidende Schlacht“.  Dazu wechselt sich auf riesigen Monitoren die wehende Staatsfahne mit den Insignien des Sozialismus und idealisierten Bildern der nordkoreanischen Gesellschaft ab.

Und dazwischen tanzen Disneyfiguren über die Bühne. Und das ganz nebenbei: Der Disney-Konzern wusste nichts davon, hatte keine Nutzungslizenz erteilt. Dies jedoch als Heranschmeiße an die USA oder gar eine zarte Öffnung zur westlichen Kultur zu interpretieren, ist laut Adam Cathcart von der Plattform www.gawker.com nicht zielführend. Er spricht viel mehr von einer „Charmeoffensive“ der Partei, die nun auch die Popmusik für Propagandazwecke entdeckt zu haben scheint. Zumal: Disneyfiguren scheinen in Nordkorea nicht unbekannt zu sein. Es gibt sie auf zahlreichen (nicht lizensierten) Kinderprodukten.  Die Plattform Sinonk.org (Northeast Asia with a China-North Korea Focus), ein Zusammenschluss von Asienforschern aus der ganzen Welt, kommt zu einem ganz ähnlichen Schluss.

Park Jung Lan, Forscher am Research Institute for Peace and Unification Studies an der Seoul National University deutet das Schauspiel als Versuch, Kim Jung Uns Anerkennung in der Bevölkerung zu steigern, der den Menschen Hoffnung auf eine besseres Leben machen soll. Der popmusikalische Ansatz sei dabei aber nur ein Ansatz, die musikalischen Vorlieben der Menschen zu treffen. Inhaltlich (textlich) sieht Park die Stücke immer noch sehr herrschernah. Zumal der Druck auf die Regierung wächst, Informationen aus dem Westen nicht dauerhaft von ihren Untergebenen fernhalten zu können. „Die Moranbong-Band ist ein sichtbares Element der notwendigen Reaktion auf die sich verändernde Situation“, ist Park deshalb überzeugt.

Dabei erscheint die Band austauschbar. Hübsch sollen sie sicher sein. Wer jedoch die einzelnen Musikerinnen sind, scheint völlig unerheblich.Einzelne Namen sind nicht zu finden. Es gibt weder einen Wikipedia-Eintrag noch sonstige nachhaltige Informationen. Aber eine Facebook-Gruppe. Andreas Nöthen

Links:

Gawker

Sinonk

Die Band bei Facebook

Video

„Let’s Learn“ 

Bericht aus dem Staatsfernsehen